Landkarten


Tips & Tricks zur Auswahl und Umgang mit Landkarten


Inhalt
Wo kauft man Landkarten? In welchem Maßstab sollte die Karte sein? Welche Karten sind die besten? Wie arbeitet man mit den Karten?
Landkarten sind bei der Orientierung im freien Gelände als Grundlage Voraussetzung. Von ihnen kann im wesentlichen der Erfolg einer Tour abhängigen, deshalb sollte man auf die Kartenauswahl ein besonderes Augenmerk richten.

Wo kauft man die Landkarten?

Grundsätzlich sind Landkarten, wie meine Erfahrungen gezeigt haben, vor Ort immer ein klein wenig billiger. Jedoch darf man sich gerade in der Urlaubszeit leider nicht darauf verlassen, daß der Handel vor Ort die gewünschte Karte auch wirklich vorrätig hat. Zum anderen schaue ich mir die jeweilige Tour gerne im Vorraus auf Schwierigkeiten durch, so daß ich dann vor Ort bereits weiß, auf was ich mich einlasse. Gerade für längeren Touren halte ich eine derartige Vorbereitung für unumgänglich.
Im Ausland bekommt man Landkarten neben dem Buchhandel oft auch in Tabakläden (z.B. Italien). Bei uns halten neben dem Buchhandel oft auch Bergsportfachgeschäfte Landkartenmaterial bereit. Doch je exotischer die Wünsche werden, desto schwieriger wird auch der Bezug. Während die Kompaß- Serie nahezu überall erhältlich ist, muß weniger gängigen Karten schon etwas suchen.
Gute Erfahrungen habe ich mit Sport Schuster und dem Bochgrossisten Hugendubel in München gemacht. Beide halten ein großes Angebot. So führen sie neben dem obligatorischen Kompaß-Satz auch den gesamten Karten-Satz des Alpenvereins (AV), Berndt & Freytag, Kümmerly & Frey, IGC (Italien), IGN (Frankreich) und die (teuren) Landeskarten der Schweiz im Programm. Bei Hugendubel bekommt man neben den erwähnten Topo- und Wanderkarten auch gröbere Straßenkarten nahezu von der ganzen Welt.
Spezielle abfotografierten Karten aus Luftbildern über Afrika, wo es sehr problematisch ist überhaupt Landkarten zu bekommen, hält ein anderes Bergsportgeschäft, ebenfalls in München, namens Därr bereit. Von diesen drei Quellen sollte man im großen und ganzen eigentlich alle Wünsche erfüllt bekommen.
Trotzdem möchte ich eine vierte Bezugsquelle, GeoBuch führt ausschließlich Landkarten, nicht unerwähnt lassen.
Ob man das Kartenmaterial nun daheim oder vor Ort kauft, soll jeder für sich selbst beantworten. Wer auf Vorbereitung keinen großen Wert legt kann sich beim Kauf vor Ort ein paar Mark sparen. Sonst wendet man sich an den Buchhandel, oder bei exotischeren Kartenwünschen an folgende Adressen:
Sport Schuster
Rosenstraße 1-5
80331 München
Tel.: 089/237070

Hugendubl (Buchkette gibt's in mehreren Städten)

Därr Expeditionsservice GmbH
Theresienstr.66
D-80333 München

Geobuch
Rosental 6
80331 Muenchen, Germany
Fax 089-263713
E-Mail geobuch@t-online.de

In welchem Maßstab sollte die Karte sein?

Diese Frage läßt sich nicht allgmein beantworten, sie hängt vielmehr vom jeweiligen Vorhaben ab. Will man eine Radtour nur auf Hauptverkehrswegen durchführen, so genügt eine grobe Straßenkarte 1:1.000.000, was natürlich den Vorteil hat, daß ein Kartenblatt die ganze Tour abdeckt.
Je mehr man sich aber von der Zivilisation zurückzieht, desto feiner muß auch der benutzte Maßstab sein. Bei einem Maßstab von 1:200.000, was feinen Straßenkarten entspricht, sind eigentlich alle Nebenstraße, Feld- und Flurwege verzeichnet.
Im Gebirge allerdings, wo es für die Mountainbiker am interessanten ist, sollte man 1:50.000er Karten wählen. Nur bei diesem Maßstab ist eine Orientierung einigermaßen markierten Gelände möglich. Bewegt man sich dagegen in völlig unmarkierten Gegendenden (z.B. Korsika) und muß hin und wieder auch Informationen vom Landschaftsrelief ablesen, arbeitet es sich mit topographischen Wanderkarten im Maßstab 1:25.000 noch angenehmer.
Im Allgemeinen ist man aber in den Alpenregionen mit 1:50.000er Karten gut bedient. Denn man darf auch nicht außer acht lassen, je niedriger der Maßstab, desto mehr Kartenblätter benötigt man, um die jeweilige Tour vollständig abdecken zu können.

Welche Karten sind die besten?

Wenn der Maßstab geklärt ist hat man u.U. immer noch eine Auswahl von mehreren Verlägen. Ein wichtiges Kriterium ist einmal die Papierqualität auf die die Landkarte gedruckt ist. Denn die Abnutzungserscheinungen sind beim vielen auf- und zuklappen recht hoch und mindern die Lebensdauer beträchtlich. Je dicker und ledriger sich das Papier anfühlt, desto besser ist es. Dünnes Hochglanzpapier dagegen reißt schon bei wenig Beanspruchung leicht ein und muß mit Klebeband repariert werden.
Zum anderen ist die Informationsdichte des Kartenbildes von Bedeutung. Sehr große Unterschiede gibt es beispielsweise beim Abstand der Höhenlinien. Je feiner der Abstand der Höhenlinien, desto besser läßt sich das Landschaftsrelief darstellen.
Schließlich ist der optische Eindruck allgemein nicht zu vernachlässigen. Die Farben sollten sorgfältig ausgewählt sein und zur Übersicht beitragen.
Nach diesen allgemeinen Vorbemerkungen möchte ich nun konkret auf bestimmte Karten eingehen. Meistens wird man dazu verleitet sein, Kompaß-Karten zu kaufen. Sie sind nahezu überall erhältich und decken das gesamte Alpengebiet ab. Meist im Maßstab 1:50.000 kommt man mit ihnen gut zurecht. Vorsichtig ist allerdings vor den feineren Karten, die nur von ausgewählten Gebieten erhätlich sind, dieses Verlages geboten. Unverschämterweise sind diese vermeintlich genaueren Karten lediglich Vergrößerungen der 1:50.000er ohne zusätzliche Information, sie sind also nicht wirklich genauer.
Im markierten Gelände sind diese Karten mit Sicherheit ausreichend. Doch darf man sich nicht wundern, wenn z.B. die drei Serpentinen auf der Karte in Wirklichkeit viel mehr sind. Denn tatsächlich werden Serpentinen dadurch nur symbolisch angedeutet, geben aber keine Aussagekraft über die wirkliche Anzahl der Kurven.
Wesentlich genauer sind da die Karten des Bayrischen Landesvermessungsamt, die sowohl in 1:50.000 als auch 1:25.000 erhältich sind. Gerade die 1:50.000er Ausgaben stellen für mich im deutschen Alpengebiet eine wesentlich bessere Alternative zu den Kompaßkarten dar. Im Kartenbild ist wirklich jede Landschaftsaufälligkeit, sei es eine verfallene Alm oder auch eine konkrete Klassifizierung der Wege und Pfade, gut erkennbar verzeichnet. Logischerweise sind diese Karten aber nur für Bayern erhältich.
Für Österreich bieten sich im feinen 1:25.000 Maßstab die teueren, leider auch nur für Teilgebiete erhätlichen, Alpenvereinskarten an. Sie stehen den Karten des Bayr. Landesvermessungsamt in Nichts nach. Leider decken sie nur Teilgebiet ab.
Genauso perfekt sind auch die Landeskarten der Schweiz, die neben 1:25.000 auch wieder in 1:50.000er Ausgaben erhältich sind. Mit ca. 30DM pro Blatt sind sie teuersten aber auch die teuersten. Auch nicht billig sind die IGN-Karten für französische Alpenregionen. Oft lassen sie sich aber in Grenzgebieten durch wesentlich günstigeren italienischen Karten des IGC ersetzen. Diese Karten sind auch festem Papier gedruckt und bieten ein schönes Kartenbild.
Insgesamt gesehen kommt zwar mit Kompaßkarten im Alpengebiet gut aus, wenn möglich sollte man aber die wesentlich besseren Alternativkarten wählen, die z.T. viel schöner und besser mit sich arbeiten lassen.
Bei Straßenkarten lassen sich keine wichtigen Unterschiede feststellen.
Wichtig ist aber noch, das gilt für alle Landkarten, daß man sich keine alten Ladenhüter andrehen läßt, sondern aktuelle Ausgaben kauft.

Wie arbeitet man mit den Karten?

Da, wie schon erwähnt, die Landkarten beim häufigen auf- und zuklappen, rein- und raußräumen aus dem Rucksack heftig leiden, halte ich es für am besten, von den wichtigen Ausschnitten Kopien anzufertigen. Diese schneide ich dann zu und stecke sie in eine selbstgebaute Halterung (Rohrschelle, Holzbrett, Paßhühle) am Lenkervorbau. Vorher markiere ich meine Fahrstrecke auch noch mit einem roten Stift auf der Kopie. So habe ich die Karte also immer vor Augen und muß nicht ständig das Original rausziehen.
Trotzdem führe ich die Originale immer mit mir, um bei diffizilen Passagen auf sie zurückgreifen zu können. Auch lassen sich Bäche auf meinen Schwarz-Weiß-Kopien oft schlecht von Wegen unterscheiden, was natürlich fatale Irrtümer nach sich ziehen kann. Glücklich schätzt sich der, der einen Farbkopiere hat...
Meistens sind die Wege im Alpengebiet markiert und haben Nummern, die sich auch auf den Karten wiederfinden und solange es an den Abzweigungen auch noch Wegweiser gibt, kann man sich (theoretisch!) nicht verfahren. Schwieriger wird es da schon bei unmarkierten Abzweigungen. Hier versucht man nun Aufschluß aus markanten Lanschaftsmerkmalen zu bekommen, die auch in der Karte verzeichnet sind.
Hilfreich ist hier natürlich auch ein Kompaß oder die Sonne. Nordet man die Kartet nun ein und kann auch noch einen markanten Lanschaftspunkt, z.B. Alm, Hütte, Berggipfel, Bach, mit dem Kartenbild in Einklang bringen, so liegt man mit dieser Richtung ziemlich gut. Das Ganze ist aber auch mit Übung verbunden, mit der Zeit wird man auch ein Gefühl dafür entwickeln, das sich in Worten nicht beschreiben läßt.
Angenehm zur eigenen Positionsbestimmung ist auch noch ein genauer Höhenmesser. Bringt man seine Höhe mit den Höhenlinien (hier braucht man eine feine Rasterung) im Kartenbild in Übereinstimmung, läßt sich die momentane Position recht genau bestimmen und man gute Aussagen treffen, wieviel man noch vor sich hat.
Gerade im freien umarkierten Gelände sind die zusätzlichen Hilfsmittel Kompaß und Höhenmesser unerläßtlich. Etwas Erfahrung und Übung ist aber auch von Nöten. Und trotzdem wird man sich dann und wann verfahren...


[Zurück zur MTB-Page]

(C) by Florian Michahelles 1997