Tour de Zuckerbrot und Peitsche
Von Murg über Widdersteiner Fürggli, Panixerpass und Greina nach Biasca - Juli '03
Zum Geleit
(so wie auch die alten SAC-Clubführer beginnen)
Diese Tour ist sicher eine der heftigen Varianten die Alpen zu überqueren: Selten wird soviel getragen und geschoben wie bei dieser Tour - soviel zur Peitsche. Andererseits streift man so traumharfte und einzigartige Landschaften, die Qualen machen sich bezahlt. Zudem lassen die zahlreichen Übernachtungsmöglichkeit im Tal, aber auch auf den Pässen, reichlich Spielraum, sich Kräfte und Etappen einzuteilen.
Beschreibung
Vom Bahnhof Murg geht es gut geteerter Strasse auf fast zahllosen Serpentinen sehr angenehm in die Höhe. Ab dem letzten Parkplatz geht es recht steil zur Alpe Mornen, danach kann man sich nur noch mit viel Geschick auf den Rädern halten. Schliesslich zwingt einen allein die Steilheit aus dem Sattel, der Untergrund ist gut, mitunter gesetzter Steine fast sehr gut, aber es geht nichts mehr (wer bis zum unteren Murgsee fährt soll mir doch bitte Bericht erstatten: flm@gmx.ch). Ich fühlte mich fast wie auf einer Klettertour IV. Grades. Schliesslich wird die Fischerhütte erreicht, wo man auch übernachten kann. Freilich lässt sich dort auch wunderbar frei campieren, man darf halt nicht gesehen werden.
Das Widdersteiner Fürggli ist mit ca. 30min tragen/schieben der gnädigste Übergang auf dieser Tour. Auf der anderen Seite lässt er sich auch grösstenteils abfahren. Ab Elm folgt man am besten der Hauptstrasse bis zum Waffenplatz. Ich habe mich von der gelben Schildern schon vor Elm, direkt beim Volg (Gratis-Campingplatz!), Richtung Panixerpass leiten lassen - der schönere Weg, dafür trägt man dann schon ab Untere Jetz, 200Hm mehr als vom Waffenplatz.
Der Panixerpass ist eine schwere Prüfung: gute 1000Hm laden zum tragen und schieben ein. Zudem können einem dann im oberen Teil noch Schneefelder das Leben schwer machen. Dafür ist die Landschaft wirklich grandios, 2 Wasserfallstufen werden seitlich erklommen, oben auf dem Pass gibt's ein tolles Panorma am Hausstock. Direkt am Pass gibt es ausserdem noch eine Unterkunftshütte mit Ofen, Holz und ca. 10 Matrazen.
Die Abfahrt ist vom feinsten! Entgegen anderer Beschreibungen war für mich der Pass, bis auf kleine Aussnahmen - Steilstufe im oberen Viertel und vereinzelte Steinstufen - im Gegensatz zum Aufstieg komplett fahrbar. Ein fach ein Traum auf Single-Trails ins Tal, dann bald 1000m auf einem Felsband oberhalb des L. Pigniu entlang zur Alp Ranasca. Nun folgt ein sehr steiler Forstweg, dem im nicht im Aufstieg begegnen möchte, nach Pigniu. Immer noch endlos geht's auf der Strasse runter nach Rueun, dann schliesslich nach Illanz - wieder am Boden.
Die Strasse nach Vrin ist sehr lang und höhenhaltig, 700hm. Von Vrin zum Pass Diesrut ist es nochmal sehr lang, 1000Hm. Ich empfehe sich diesen langen Aufstieg unbedingt aufzuteilen, campieren kann man praktisch überall, letzter Gasthof ist in S. Giuseppe, praktisch am Ende der Strasse von Vrin. Der Aufstieg zum Diesrut ist noch qualvoller als zum Panixerpass. Wenngleich man immerhin ab 1630Hm startet, ich konnte kaum mehr schieben und ging gleich zum Tragen über. In die Greina-Ebene konnte ich stellenweise hinunterfahren. Im ersten Flachstück in der Ebene unten ist es dann ein absolutes Paradies. Ein schmaler fahrbarer Fusspfad führt einen durch die vielleicht schönste Hochebene der Schweiz (es gibt übrigens Pläne dort einen Nationalpark zu errichten - also bald fahren, bevor uns die Parkwächter raussperren).
Bis zum Greina-Pass, dem zweiten im Bunde, ist es deutlich länger als man denkt. Der sanfte Aufstieg lässt sich stellenweise fahren - doch ein Irrtum, der Greina-Pass ist das noch lange nicht. Man folgt weisse Kreidelandschaft, kommt an einer zweiten Hütte vorbei und erreicht schliesslich vor der Cap. Scalette (Unterkunft) den Pass. Bis knapp zur Hütte lässt sich fahren. Nicht zur Hütte sondern davor recht im weiten Bogen auf fiesen Treppenstufen und Serpentinen, die sich aus der Römerzeit langsam auflösen, geht's mühsam ins Tal. Ich bin dann, beinahe unten, beim Wegweiser nach rechts Richtung Fahrspuren. Die Queruntg eines Sturzbaches kann recht tückisch sein - wer sicher sein will folgt besser der Markierung.
Jedenfalls gelangte ich so in einem weiten Linksbogen zum Bushalteplatz. Von hier geht's auf Teer runter ins Bleniotal. Ab Olivone mischt man sich mit dem Verkehr des Lukmanier-Passes. Ich fand das an einem Sonntag höchst ätzend. So stinkt's und lärmt's dann leider bis Biasca. Kennt da einer eine sinnvolle Alternative? Ich würde das Stück gerne meiden. Ab Biasco bin ich mit der Bahn zurück, freilich kann man sich bis zum Lago Maggiore auch noch weiter zu stinken lassen. Übrigens die knapp 30km vom Busplatz bis Biasca gehen locker in einer Stunde, selbst mit Gegenwind!
Fazit
Eine fantastische Tour die es in sich hat. Steile, Tragemuskel fordernde Anstiege, dafür Downhills und Landschaftsgenuss vom Feinsten.
Routenverlauf
Murg Bhf. (427) - Mornen (1335) - Fischerhütte (1817) - Widdersteiner Fürggli (2019) - Matt - Elm (970) - Waffenplatzwichlen (Variante: gelber Beschilderung am Em zum Panixerpass folgend, Fahrwegende Unter-Jetz (1227)) - Panixerpass (2407) - Ranasca-Pass (1925) - Ranasca-Alp (1830) - Pigniu - Rueun - Illanz (699) - Cumbel - Vella - Lumbrein - Vrin(1448) - S. Giuseppe (1598) - Puzzatsch (1630) Fahrweg Ende - Pass Diesruth (2428) - Plaunla Greina (2194) Abzweigung zur C. da Terri (SAC) - Pass Greina (2357) - Abzweigung zur Cap. Scaletta - rechts in Talgrund - beim Wegkreuz (Aufschrift Sentiero) entweder Weg folgen, oder rechts auf erkennbare Fahrspuren im Schotter zu, Vorsicht heikle Sturzbach Querung - Ghirone (1301) - Olivone - ab hier mit Lärm nach Biasca (wie geht's anders?)
Literatur:
- Landkarte:
- Landeskarte der Schweiz, 237 Walenstadt
- Landeskarte der Schweiz, 247 Sardona
- Landeskarte der Schweiz, 257 Safiental
- Landeskarte der Schweiz, 256 Disentis/Mustér
- [Landeskarte der Schweiz, 266 V. Leventina]
- TransSwiss 98
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(C) by Florian Michahelles 2003