Vom Regen in die Traufe
(eine sehr frühe Mountainbiketour im Karwendl: 21.5.-24.5.1999)


Der absolut Hammer, so was hab ich noch nicht erlebt...
Tatsächlich erklaerte mich jeder fuer bescheuert bei diesem Pisswetter das Karwendel per Bike zu erkunden. Egal, beschlossen, getan luden wir gegen 16:00 unsere Bikes in Mittenwald aus dem Zug und waren schon nach wenigen Minuten Fahrt nach Scharnitz naß bis auf die Haut, es goß in Strömen.
Immerhin klappte es mit der Orientierung und wir verfuhren uns wenigstens nicht. An Pausen war nicht zu denken, uns ging's nur darum, möglichst bald anzukommen und dem Regen zu entfliehen, laut Führer 2,5h. Nun, die Schwierigkeiten kamen so nach und nach. Immer wieder mußten wir uns mit Murenabgängen auf unseren Wegen herumplagen. Richtig Angst hatte ich allerdings, als wir eine frische Mure überqueren mußten, die noch richtig flüssig und matschig war. Schon beim überqueren rieselte es von oben ständig nach und ich fürchtete wirklich für kurze Momente verschüttet zu werden, zumindest die Angst war da.
Es sollte noch schlimmer kommen. Die Regentropfen wurden zunehmend fester und heller, sie gingen in Schnee Über. Zunächst war der Boden nur leicht bedeckt, doch bereits ab 1.200m Höhe, steckten wir in 20cm pitschnassem Neuschnee, an fahren war nicht mehr zu denken, der Schnee verkeilte sich im Rahmen und blockierte die Räder beim Schieben, wir trugen unsere Bikes.
Es wurde später, wir wurden müder...
Dann warteten wir den Schneefall ab, aber es half nix wir starteten doch hinaus in den Regen und schulterten die Bikes. Heute hatte wir das knackige Stück vor uns: Die Fahrstrasse hörte auf und wir mußten uns auf schmalen Wanderwegen, die im Schnee unkenntlich waren, 400m nach oben wuchten.
Infolgedessen irrten wir mit geschulterten Bikes und Rucksäcken durchs Gehölz, ich war fast am Ende, konnte nicht und wollte nicht mehr. Das Wasser stand mir in den Schuhen, ich war total ausgelaugt, doch der Regen nannte keine Gnade. Nach geschlagenen 4h erreichten wir das Solsteinhaus, wo wir eigentlich gestern schon hätten sein wollen. Wir schürten den Ofen, trockneten unsere Sachen und der Tag verging im Nu. Am nächsten Tag schneite es nach wie vor, es gab nix zu tun. Wir schliefen aus und hatten am Nachmittag noch etwas Spaß am Müllsackrutschen, wir bauten eine guten Schanze. Am Montag kam dann endlich die Sonne zum Vorschein und wir starten bereits gegen 7:00 in den Tag, ließen den Schnee bald über uns erfreuten uns der knackigen Trials. Die Fahrwege indes boten furchterregende Anblicke. Was wohl die Medien brachten, wir jedoch in den letzten Tagen noch nicht ahnten war der Stellenwert dieses Regens: ein Jahrhundertereignis.
Metertiefe Furchen schnitten die Forstwege, teils fehlten die Wege ganz, Betonverbauungen waren freigelegt, nur mühsam durchwateten wir die kleinen Canyons. Später trafen wir andere Biker, die uns was von absolutem Betretungsverbot erzählten, dennoch wir mußten weiter. Der Sonnenschein war der Traum, unschuldig und freudig strahlte der tiefblaue Himmel. Wir genossen die wärmenden Strahlen.
Zurück Mittenwald wurde uns das Ausmaß der verheerenden Regenfälle erst richtig bewußt: Alle Züge standen still, die Gleise waren unterspült! Umständlich mußten wir uns mit mehreren Bussen nach Weilheim durchschlagen. Auf der Fahrt dorthin wunderte ich mich zunächst über die vielen Container an den Häusern und dem vielen Unrat. Zunächst dachte ich an Sperrmüll, doch dann wurde mir mein sarkastischer Zynismus bewußt: Wasserschaden, die armen Bewohner waren noch am Auspumpen ihrer Keller.
Nach nicht endenwollender Bus und Zugtortur kamen wir endlich nach München zurück: Es war einfach der Hammer, so was hatte ich noch nicht erlebt!

Zurück zur MTB-Seite

Copyright
Beiträge, Photos und Graphiken sind urheberrechtlich geschützt. Nachdruck, auch auszugsweise, Vervielfältigung
auf fotomechanischem und anderem Wege sowie die Nutzung auf Datenträgern bedürfe n der schriftlichen
Zustimmung von Florian Michahelles.
(C) By Florian Michahelles, Th, 27 May 99