Verfrorene Wüstenmemme
Die Nacht im Beduinenzelt war vorzüglich. Wie abgemacht verschwinde ich frühzeitig. Da das Tor wie erwartet abgeschlossen ist, muß ich mir überlegen, wie ich hier rauskomme. Über den zweimeter hohen Zaun kann ich mein Fahrrad nicht heben, ich muß unten drunter durch: DAzu schiebe ich einige Steinbrocken beiseite, die den unteren Rand des Zauns zum Boden hin abdichten. Nachdem ich noch den Lenker quergestellt, die Satteltaschen demontiert, mein Rad also fluggerecht gemacht habe, reicht mir der Freiraum von 40cm...
Mit leerem Magen rolle ich nach kurzer Zeit in Dimona ein. Der Wind hat nachgelassen, die Fahrt ist bei weitem nicht so schlimm wie gestern, doch ist der Himmel noch grau genug. Erstaunt über die Betriebsamkeit in Dimona kriege um 7°°h in einem kleinen Laden süßes Frühstückszeug und verschlinge es gierig zusammen mit Milch in einer Bauruine, es regnet nämlich wieder und der Wind wird stärker.
Auf einer schmalen Straße steuere ich Yerukham an. Links und Rechts bauen sich nun die trockenen Hügel der Negev-Wüste auf. Das meiste Terrain ist leider bzw. glücklicherweise eingezäunt und Militärspielwiese. Die dicke Wolkenfront am Himmel gibt der Sonne keine Chance, es ist kalt und trist. Der Wind bläst mir wieder ins Gesicht, hin und wieder fallen auch ein paar Regentropfen. Meine Hoffnung hält sich an den kleinen Wolkenlöchern aufrecht, die die Sonne für kurze Augenblicke zum Vorschein kommen lassen, ihre kurzen Auftritte tragen jedoch nur mäßig zur Besserung der Wetterstimmung bei.
Dennoch entscheide ich mich, den sicheren Schoß der Straße zu verlassen und den Großen Krater Ha-Makhtesh Ha-Gadol zu ergründen. Auf holprigen Untergrund geht es zunächst noch sanft dahin. Der schroffe Kraterrand ist trotz des diffusen Licht schön anzusehen. Orientierungsprobleme, oder wenigstens subjektive Unsicherheit bleiben mir dank hervorragender Markierung erspart. Insofern wäre da kein Grund zur Klage - abgesehen von dem unermüdlichen kalten Gegenwind. Immerwieder suche ich hinter Büschen Schutz, um in Ruhe zu verschnaufen und ein wenig Ruhe zu finden. Heute ist nun bereits der dritte im Sturm, damit habe ich hier nicht gerechnet, das macht mich fertig.
Die körperlichen Kraftanstrengungen sind das eine. Daran kann ich mich gewöhnen. Die Tagesetappen werden dementsprechend kürzer, ich fahre kein Rennen, Zeit ist vorhanden. Zu schaffen macht mir tatsächlich die Kälte. Ständig bin ich kalten Luftmassen ausgesetzt und kühlen mich ab, die empfundene Temperatur liegt damit noch erheblich unter den etwa 15 tatsächlichen Grad Celsius. Windjacke und Windhose unterstützen mich zwar, dennoch ist es unangenehm kalt.
Noch schlimmer aber ist der stetige Lärm: Das Fauchen und Pfeifen des Windes! Die Bändel meiner Kapuze schlagen an meinen Helm, meine Jacke flattert wild, es ist zum wahnsinnig werden! Fast glücklich nutze ich jeden Busch, jede Mulde als rettenden Hort der Stille. Mein Gesicht reagiert angestrengt, meine Haut verliert an Gefühl. Immer wieder ertappe ich mich während der Windfluch beim Einschlafen. Ich zwinge mich weiter.
Zum Paß Ma'ale Avraham geht es schließlich steil am Kraterrand hinauf. Die Piste ist zerfurcht und aufs äußerste erodiert. Keine Chance für Vierräder. Eine geringfügige für Zweiräder..., das Schieben ist beschwerlich. Oben am Kraterrand bieten sich fantastische Blicke und eine tolle Sicht auf den riesigen Krater, sogar die Sonne gibt sich ein kurzes Stelldichein. Auch hier oben schiebe ich weiter. Zwar ist es flach, dafür fegt ein gewaltiger Sturm mit immenser Kraft über den Kraterrand. Bei vorsichtigen Fahrversuchen werde ich tatsächlich vom Rad geblasen. Angesichts des steilen Abbruch hinunter in den 200m tiefen Grund verzichte ich schnell.
Der Krater verschwindet hinter mir und ich bin mitten im Negev. Noch immer fordert das Gleichgewicht halten im Wind viel Geschick. Mein Weg führt mich durch eine tolle Schlucht. Ich kann es aber nicht wirklich genießen. Mit dem Wind komme ich nun zurecht. Doch habe ich nun mit Barrieren ganz anderer Art zu kämpfen: Endlose Stacheldrahtzäunen säumen mir nun den Weg. Innerlich warte ich nur noch darauf, bis mir ein Totenkopfschild des Militärs die Weiterfahrt verweigert. Mit Minen, Schießplätzen und sonstigen Kriegsmaterial ist hier wirklich nicht zu spaßen. Zwar gibt mir die sporadische rot-weiß Markierung immer Wieder Hoffnung, doch wissen tut man's letztendlich nie. Nichts wäre nun schrecklicher als die ganzen 20km wieder zurück in den Krater und auf der Straße in einem großem Bogen um die Sperrgebiete herum...
Letztlich ist aber doch auf die Wegemarkierung Verlaß und ich gelange zur Straße 204 nach Sde Boker. Jetzt habe ich wirklich keine Lust mehr. Just an der Straßenmündung kauere ich mich hinter einen Gedenkstein des Staatsgründers Ben Gurion nieder...
Ich muß wohl einige Zeit geschlafen haben, jedenfalls lassen mir Regentropfen und Wind keine Ruhe. So strampele ich unwillig nach Sde Boker und besuche dort das Wohnhaus Ben Gurions. Nun, es ist nicht so interessant, aber kostenlos, überdacht und etwas wärmer als draußen. Ich bin stark ausgekühlt, meine Finger sind klamm vor Kälte. Ich weiß überhaupt nicht mehr, warum ich mich der sengenden Hitze in der Wüste fürchtete - bisher fror ich nur erbärmlich.
Mit den Kräften bin ich am Ende. Mit den kalten Mauern einer Betonruine will ich mich heute nicht zufrieden geben. Ich setze alles auf das Hostel der Field-School von Sde Boker, die gemeinerweise noch einige Kilometer weiter ist. Die Hoffnung auf Wärme treibt mich an, dem Wetter noch etwas die Stirn zu bieten. Im Campusgelände der modernen Universität Beer Sheba, die hier eine Zweigstelle für Wüstenforschung betreibt finde ich endlich die SPNI Field School und bekomme dort ein Zimmer zugewiesen.
Endlich unter der warmen Dusche, kommt das Leben zurück. Für heute reicht es.
Nie wieder Wüste, dort ist es echt zu kalt!
Kamel Rave
Es ist besser, ich sehe blauen Himmel. Weil ich sowieso in der Nähe bin besuche ich noch Ben Gurions Grab ehe ich zum En Avdat Park hinunterfahre. Ich lasse mein Rad zurück finde mich Israels größten Canyon wieder. Das Wasser hat hier ganze Arbeit geleistet. Der rötliche Fels zeichnet in der Morgensonne seine malerischen Konturen ab. Ich nehme meinen Finger nicht mehr Auslöser des Fotoapparates und klettere auf einer kühnen Treppe schließlich bis an den oberen Rand der Schlucht hinauf. Tatsächlich ist es verboten, die Treppe für den Rückweg zu benutzen. Da ich aber keine Lust zum Laufen habe, setzte ich mich darüber hinweg.
Nach etwas Fahrt erwartet mich bereits das nächste Schmankerl im Negev: die Ausgrabungsstätte Avdat. Hierbei handelt es sich um imposante Relikte der Nabtäer. Eindrucksvolle Höhlenwohnungen locken mich so hinauf auf die alte Festungsanlage oben am Hügel. Hoch über der Wüste thronend bieten sich fantastische Ausblicke in die weite aride Landschaft.
Ohne große Kraftanstrengung, der Wind hält sich freundlicherweise zurück, erreiche ich Mizpe Ramon. Hartnäckig trotzt diese Siedlung am Rande des Ramon-Kraters der trockenen Wüste. Und doch findet sich hier alles, was man zum Leben braucht. Als hervorragender Ausgangspunkt für Erkundungen des Ramon-Kraters empfiehlt sich das pompöse Visitor Center.
Zwar verzichte ich auf die Multimedia, dafür nimmt sich aber eine hübsche Israelin reichlich Zeit für meine Fragen zur Befahrung des Ramon-Kraters. Von den rosafarbenen Gebieten auf meiner Karte, den Firing-Zones, rät sie mir dringend ab, auch am Sabbat sei man dort nicht sicher. Sie schwärmt von den vielen Farben, von der Ruhe und der Schönheit des Kraters. Sie malt mir den Westen in den buntesten Farben auf und kehrt mit der Frage "Do you have weapon?" plötzlich und unerwartet zur harten Realität zurück.
An für sich keine ungewöhnliche Frage in Israel, wird man doch überall von ihr verfolgt. Schon auf die immer entschärfende Antwort "No, I don't" nach unzähligen Fragen trainiert unterstreiche ich meine Aussage noch mit einem ernsten Kopfschütteln. Sie lacht darauf diebisch "Sorry, the military won't let you pass", mir bleibt das Lachen im Halse stecken. Ups, nein Danke. Sie erzählt mir von der unsicheren Grenzen zu Ägypten und bewaffneten Schmugglern, für die die Sicherheitskräfte nicht garantieren wollen.
Ungerührt schwärmt sie mir vom Osten, keine Gefahren, "very beautiful", des Ramon und vertieft sich derart in die Wegbeschreibung, ja sie malt mir sogar die Wegweiser auf, denen ich folgen muß. Zum Schluß lächelt sich noch "I'm jealouse..."
Derart gerüstet kann mir nun wirklich nichts mehr passieren. Der genauen Beschreibung folgend, komme ich ohne Karte aus, es paßt einfach alles. Es ist wirklich wundervoll hier. Auf fester Sandpiste passiere ich die Überreste einer alten Karawanserei und tauche ein in die farbenfrohe Hügellandschaft. "Nicht von dieser Welt", erinnere ich mich an die Worte des wohlgesonnen Flugabfertigers in München. Ich bin begeistert von den starken Farben. Die Sonne setzt sie bestens in Szene. Ich bin außer mir, was Israel doch für Schätze! Wer nur der Bibel, hat wirklich nichts gesehen!
Ich begegne zwei Israelis, die auf ihre Art vorankommen: starke PS unter der Haube ihrer lauten Wüsten-Buggies. Ich folge durch ein Wadi mit der untergehenden Sonne zum Beduinencampingplatz Be'erot. Ein Beduinenjunge lädt mich zum obligatorischen Tee. Mit mir sitzen noch paar Israelis um das offene Feuer im Zelt. Einer der drei arbeitet für den Nationalpark und kontrolliert die Beschilderungen. Auch ihm fällt bei der Frage über Firing-Zones nur ein zynisches Grinsen ein. Ich habe nun wirklich verstanden.
Die Dämmerung ist schnell vorüber, es ist dunkel und es wird schnell kalt. Natürlich könnte ich im Zelt des Beduinen am Feuer schlafen, dafür ist es auch gedacht, doch will ich nur auf mich vertrauen.
Der Sterne prangen vom klaren Himmel. Das dichte Lichtermeer mutet fast unheimlich, Sterne, die ich noch nie zuvor gesehen. Ich wage es nicht, mich zu weit vom Lagerplatz zu entfernen, es ist alles zu gleich und ähnlich, wenn man ziellos über Stock und Stein in die Nacht hinausschwärmt. Ruhe, Sterne, Kälte, auch Kamele hat der Beduine. Eigentlich stimmt alles. Eigentlich.
Mit einem Mal ist die Ruhe, die Beschaulichkeit, der Flair von 1001 Nacht vorbei: ein vollbesetzter Bus fällt mit aufgedrehten internationalen Volontären ein. Wie Requisiteure huschen sie flink durch die Nacht, schleppen Bier, Boxen, Holz und Fleisch heraus. Schnell ist ein loderndes Feuer entfacht, bei lautdröhnenden Technoklängen werden Pommes Frites bereitet, Chips gehen die Runde.
Verdutzt, aber nicht ohne Hintergedanken, schleiche ich mich ans Feuer. Noch habe ich meinen Kocher nicht ausgepackt. Die einsetzende Kälte ist ein guter Vorwand. Schnell finde ich Anschluß und klinke mich in einige Gespräche der Gleichaltrigen ein.
"Däs häschd' da au' net dräume lasse, wüsch'd ve'köschdig'd in dä Wüschde..." schreit später ein Landsmann herüber als mein Plan aufgegangen ist und ich bereits das fünfte Kotelett verschlinge...
Auf dem alten Gewürzhighway
Um 7°° stehe ich auf, ohne Frühstück. Bereits auf der Fahrt versorge ich mich mit den harten Keksen, die mir die Wüstenraver gestern Nacht zurückgelassen haben. Langsam klettert auch die Sonne über den Kraterrand und verzaubert den Ramon mit fast irrealen Farbmustern. Heute habe ich viel vor. Fast 60km werde ich, wie man mir später erzählt, der "Ha-Bsamim Road", deutsch Gewürzstraße, folgen. Der Weg durchs Nekarot-Wadi ist einmalig. Tief eingeschnitten im Gestein folge ich auf dem kiesigen Wadi-Grund immer weiter ostwärts. Freilich ist es kein Fahrvergnügen, dachten die Nabtäer doch auch nicht daran, ihre Gewürze mit dem Fahrrad zu transportieren.
Anfangs gelingt es mir noch das Gleichgewicht zu halten und mich auf festen Bodenstücken weiterzuhangeln. Irgendwann ist Schluß, die schmalen Reifen graben sich zu tief ein, ich muß schieben. Freilich ist das Schieben eine Qual, immerhin stolpere ich fast 10km so durch den feinen Kies. Andererseits fühle ich mich stark, erhaben, allwissend, unschlagbar. 8 Liter am Rad befestigt geben mir Zuversicht und nähren meine Überheblichkeit. Ich labe mich an den eindrucksvollen Farben des Kraters, folge aber zugleich der nur sehr langsam wechselnden Kilometerangabe auf meinem Tacho. Ich schaffe nur noch 250m ohne zu Verschnaufen. Mir rinnt der Schweiß.
Und wieder, ich kann es nicht glauben. Ich treffe ein junges Ehepaar. Sie sind aus Mizpe Ramon mit dem Jeep gekommen und sitzen noch beim Frühstück. Ich nehme ihre Einladung natürlich gerne an und setze mich zu ihnen auf Stück Kuchen. Damit zollen sie mir Respekt und bewirten mich zuvorkommend. Israelis würden nie auf die Idee kommen, durch die Wüste zu radeln, geschweige denn schieben, wofür gibt es denn die technischen Errungenschaften? Natürlich frage ich nach dieser mysteriösen "Do you have weapon?"-Geschichte. Wieder dieses allwissende-Schmunzeln. Nun, versichert mir der Israel, man müsse dem Soldaten am Checkpoint einfach sagen, man hätte ein Gewehr und man dürfe passieren. Er hätte es schon getan und dann sei wirklich "very beautiful", mein zunickendes Lächeln wirkt aufgesetzt...
Ich passiere die Ruine einer Karawanserei. Im Prinzip entsprach sie einer den Nabtäern einer Autobahnraststätte auf ihrem Weg nach Petra im heutigen Jordanien. Mir dient sie als Orientierungs- und Fixpunkt auf der Karte.
Der Grund wird wieder fester, das Wadi damit für mich fahrbar. Zwar fürchte ich ein wenig um meine Reifen bei dem scharfen Gestein, doch geht alles gut. Es ist Sabbat heute. Ich soll es bald merken. Mag in Jerusalem das Leben ruhen, die Religiosität im Mittelpunkt. Hier dagegen frönen junge Leute dem Freizeitwahn und rasen mit ihren Jeeps, Wüstendreirädern und Buggies durchs Wadi, daß es nur so staubt. Immerwieder werde ich aber auch bestaunt und gefragt, ob ich Hilfe bedürfe. So schlecht wie den Nabtäern geht es mir dann also doch nicht.
Die Piste verläßt den Krater und steigt langsam aber beharrlich empor. Als ich endlich den Krater-Rand erreiche steht mir der Schweiß auf der Stirn.
Bald darauf fällt die Piste langsam ins Avra-Tal ab. Die Farben, die bunten Gesteinsgeschichten des Ramon verschwinden, die Wüste ist immer noch da. Noch warten 40km Kiespflügerei auf mich bis ich dann ermattet den Wüstenhighway nach Elat erreiche. Nach zwei weiteren Karawansereien habe ich also wieder Asphalt unter den Rädern und bügele weit unbeschwerter am langweiligen Grenzverlauf zu Jordanien entlang. In blassem Rot leuchtet das Edom-Massiv, es wird noch einige Zeit dauern, bis ich auch dorthin komme.
Der Verkehr ist zum Glück mäßig, hin und wieder zollen mir die Autohfahrer durch hupen Respekt. Den Israelis großer Stolz wie auch ihr Reichtum gründet sich zu großem Teil auf die Nutzung selbst lebensfeindlichen Wüstenlandes. Dafür scheuen sie nicht, daß Lebenselixier Wasser über hunderte von Kilometern durchs Land zu pumpen, um dann wie in Bildad unter Zellophan knallrote Paprikas zu züchten, denen selbst ich nicht widerstehen kann.
Nach wenigen Kilometern erreiche ich den legendären Rasthof 101, der 101 Kilometer vor Elat liegt. Es ist fast ein kleiner Freizeitpark: Ein riesiges Windrad läßt Wild-West-Stimmung aufkommen, eine Kamelfarm belustigt die Kinder, Spielhalle, natürlich gibt es auch einen Saloon. Ich ruhe mich etwas aus, eben genauso wie alle anderen die nach Elat wollen.
Vom Highway habe ich nun wirklich genug und schlage mich bei der nächsten Abzweigung wieder etwas westwärts um, die fast parallel laufende 40 zu erreichen. Gemeinerweise bin ich wieder von Firing-Zones umgeben, sehr ungünstig für einen Schlafplatz. Abgeschlafft schleppe ich noch zur 40, folge auch auf ihr noch einige Kilometer südlich. Ich bin von Steinwüste umgeben, die von flachen Hügeln durchsetzt ist. Schön anzusehen, leider etwas ungünstig um sich verstecken. Ich gebe mich mit einer flachen Mulde zufrieden. Verkehr herrscht kaum, außerdem störe ich hier auch keinen.
Wieder genieße ich den fantastischen Sternenhimmel.
Die Berge von Elat
Mit dem Wind im Rücken habe ich es heute leicht. Noch einmal geht es leicht bergauf, dann rase ich durchs Ktura-Tal wieder hinunter zum Elat-Highway. Eingerahmt von den von den Edom-Bergen zur Linken und den Bergen von Elat zur Rechten gelange ich zu dem rechen Yotvata-Kibbuz. Über die eigene Raststätte, aber auch sonst im ganzen Land werden von hieraus die schmackhaften Molkerei-Produkte vertrieben. Entlang am Yotvata-Reservat, in dem bedrohte Tierarten ein zuhause gefunden haben, schieße ich durch den Zaun ein untypisches Israel-Bild von einem Vogelstrauß.
Schließlich biege ich in den Timna-Nationalpark ein. Bid über 800m heben sich die rötlichen Timna-Klippen aus der Bodenebene. Einzigartige Formationen mit Namen wie Säulen Salomons und die Bögen Salomons führen einen in die Vergangenheit der Ägypter, als hier noch Kupfer gewonnen wurde. Der Park ist riesig, ich kürze die weit geschwungene Straßenführung durch einen Geländeritt ab, doch da passiert es: mein Vorderrad gräbt sich in den weichen Sand, ich suche das Gleichgewicht durch eine Verlagerung nach Rechts - da reißt mich eine fiese Akazie heimtückisch vom Rad, mit ihren dornigen Widerhaken in Arm und Bein gibt es für mich kein halten mehr...
Ich habe keine Lust auf den Highway mehr und verlasse den Park über Schleichwege hinter den heutigen Timna-Mines. Zwar schüchtern mich Verbotsschilder und Warnungen vor scharfen Wachhunden ein, dafür kann ich mich den bisher stets zuverlässigen blau-orange-weißen Farbzeichen des Israeli-Tracks vollends anvertrauen. Die Fahrwege dienen größtenteils als Zufahrt zur Mine und sind damit bestens fahrbar. Es macht mir großen und ich genieße die großartige Geborgenheit inmitten der einsamen Elat-Berge. Leider währt der Tag heute doch schon recht lange, ich nehme die Ermüdungserscheinungen in meinen Beinen ernst. Etwas wehmütig verlasse ich damit den Hort der Ruhe un schlage mich ohne Weg auf dem trockenen und glatten Untergrund ostwärts zum sichtbaren Highway durch.
Auf der Straße segele ich mit einer kräftigen Brise unbeschwert weiter. Die hervorragende Beschilderung in Israel, die in bestechender Manier Besonderheiten und Sehenswürdigkeiten mit roten Wegweisern auszeichnet bringt mich von Elat wieder ab und läßt mich dafür auf die Säulen von Amram zu steuern. Mit letzter Kraft stemme ich meinem mich meinem letzten ziel für heute entgegen. Die Kilometer ziehen sich, zudem geht es leicht bergauf.
Ich treffe auf den in meiner Karte bezeichneten Zeltplatz. Schnurstracks nehme ich mir dennoch die besagten Säulen vor. Wieder Wahnsinn! Ich packe meine Stirnlampe aus klettere begeistert über die griffigen Felsen und zwänge mich euphorisch hinein in die einfallenden Höhlenwohnungen. Kein Eintritt, menschenleer, gedankenreiche Stille nur...
Gejaule und Geschrei zerreißt die Luft. Unverhofft kommt oft! Eine aufgebrachte Schulklasse fällt in aller Ausgelassenheit ins Tal ein. Ich lerne sie am Lagerplatz kennen. Neben einem alleinreisenden Deutschen finde ich noch den bewaffneten Guard als interessante Unterhaltung. Umherliegende Büsche knistern bald in unserem entfachten Feuer. Der Rabi von den frechen Schülern ist mein Garant für genügend Wasser. Wieder einmal fehlt es mir mitten im Nichts an Nichts!