Wie alles begann


Ich mußte für mein Vordiplom lernen. Es war Oktoberfest, die Stadt voller Touristen, alle Quartiere belegt. So kam es, daß meine Vermieterin zwei Israelis aufnahm. Ausgefüllt vom nahenden Vordiplom boten sich immer nur kurze Momente, um Alon und seinen Freund Assi kennenzulernen. Ich gab ihnen Tips zu Sehenswürdigkeiten und immer wieder kamen wir kurzins Gespräch.
Mit Alon einte mich Leidenschaft zum Fahrradfahren. In meinem Zimmer hatte ich schon meine Ausrüstung für anstehende Andalusientour aufgetürmt, was Alons Interesse weckte. Er schwärmte vom Golan und Negevwüste, der Funke sprang über. Dann war zudem noch Rosh Hashana, das jüdische Neujahrsfest. Die beiden Israelis überreichte meiner Vermieterin und mir eine in Honig eingetauchte Apfelscheibe: Festlich lehrten sie uns den Gruß "See you in Jerusalem". Scheinbar hat es geholfen, jedenfalls blieb ich mit Alon in engem Email-Kontakt, er lud mich ein zu sich nach Tel Aviv. Er war ganz wild darauf, mit mir eine Tour zu fahren. Der Entschluß war gefaßt, der Flug Anfang März gebucht und meine Reisevorbereitungen liefen an.
Einfach war es nicht in den Massen von Bibelführern brauchbare Informationen zu bekommen. Neuland zu betreten, reizte mich dafür um so mehr. Für Jordanien mußte ich ein Visum beantragen, anfangs liebäugelte ich sogar noch mit Syrien und Saudi Arabien und ließ mir dafür sogar einen zweiten Paß ausstellen. Ein Syrer riet mir vor einem gleichzeitigen Besuch von Israel und Syrien ab, für Saudi Arabien werden sowieso keine Visa an Touristen ausgestellt. Meine Schwester nähte mir Baumwollkleidung für die heiße Wüste, bei verschiedenen Fremdenverkehrsämtern in Deutschland bat ich um Stickers und Prospekte zum verschenken.
Nur der widerspenstige Saddam Hussein machte mir Sorgen, ich nahm sogar noch ein kleines weißes Fähnen mit Fahnenmasten mit. Es konnte losgehen, ich war gespannt...

© by Florian Michahelles 2000