Denn die Wahrheit liegt da draußen...
Mit dem Mountainbike zweimal über die Alpen
Am Anfang stand nur der Gedanke Korsika zu durchqueren. Dazu spielte ich mehrere
Möglichkeiten durch, wie ich dorthin gelangen könnte. Flugzeug schied aus
Kostengründen aus, Zug schien mir aufgrund der allseits bekannten
Zug-Fahrrad-Problematik in Italien ebenfalls ungünstig.
Blieb da noch der Bus von Froschreisen.
Für etwa dreihundert Mark hätte mich dieser samt Gefährt nach Livorno gebracht,
doch im selben Atemzug errechnete ich sogleich, daß ich dreihundert Mark ebenso im
Sattel eine Woche lang verlustieren könnte, Zeit genug hätte ich, man ist ja Student.
Dazu fiel mir die Tour von Mittenwald nach Bozen ein,
auf der ich die Strecke abseits der Straßen bewältigen konnte. Von Bozen ab war es leider
unerläßlich asphaltiertem Belag zu frönen.
Damit war die Hinfahrt abgehackt. Zurück wollte ich neue, mir völlig unbekannte,
Gefilde erkunden: die Seealpen. Von dort aus plante
ich, weiter nordwärts in die Schweiz
vorzustoßen, um dann in die Heimat zurückzukehren.
Ich überschlug grob die Strecke und gab mir dann sechs Wochen Zeit.
Dann galt es den genauen Routenverlauf festzulegen. Nach vielem Suchen und Vergleichgen
hatte ich endlich exaktes Kartenmaterial zusammenbekommen.
In mühevoller Kleinarbeit durchforstete ich die Landkarten nach den besten Wegen und
versuchte schon im voraus knifflige Stellen aufzuspüren. Im nächsten Schritt kopierte
ich dann alle relevanten Kartenausschnitte und markierte auf diesen meine beabsichtigte
Route. Schließlich schnitt ich die Kopien noch so zu, daß ich sie bequem in meine
Kartenhalterung am Lenker stecken konnte. Aus Gewichts- und Platzgründen nahm ich nur
die wichtigsten Originalkarten mit auf meine Tour.
Dem Ziel immer näherrückend galt es dann die Ausrüstung sorgfältig,
aber möglichst knapp, zusammenzustellen, so daß sie in einen 40 Liter Rucksack paßte.
Da ich beabsichtigte allein zu reisen, waren 16 Kilo Gepäck unumgänglich.
Zudem bemühte ich mich im Vorfeld noch vergeblich bei der hiesigen Lokalpresse einen
Bericht absetzen zu können, aber die Zeitung war daran nicht interessiert. Immerhin
besuchte mich vor der Abfahrt ein Reporter und verfaßte dann einen kurzen Beitrag
über meine Unternehmung.
Von nun an lag die Wahrheit da draußen...
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(C) by Florian Michahelles 20 Jan 1997