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12.04.2006
Wer dieser Tage Mittwoch- oder
Freitagnachmittag an einem bestimmten Computerraum des IFW-Gebäudes
vorbeikommt, wird Zeuge eines für die ETH ungewohnten Schauspiels: Statt Studierender um die 20 beugen sich Primarschüler eifrig über die
Rechner und löchern ihre Tutoren mit Fragen.
Von Katja Abrahams
Dreimonatige Studie am Departement Informatik
Die acht- bis zehnjährigen Primarschüler haben eine wichtige Aufgabe: Sie sind Probanden einer dreimonatigen Studie zur Wirksamkeit eines neuen computergestützten Therapiekonzeptes für Kinder mit Rechtschreib- und Leseschwäche. Die gross angelegte Studie, an der 80 Kinder teilnehmen, ist Ende März 2006 im Departement Informatik der ETH Zürich angelaufen und wird in Zusammenarbeit mit dem Institut für Neuropsychologie der Universität Zürich bis Mitte Juli 2006 durchgeführt.
Die Kids lernen fünf Mal in der Woche 15 bis 20 Minuten daheim mit dem Trainingsprogramm "Dybuster". Der Lernfortschritt wird auf einem Memorystick festgehalten, den die Kinder mitbringen, wenn sie einmal pro Woche zum Üben an die ETH kommen, wo gezielt auf ihre Fragen und Probleme eingegangen wird.
Verbindung von Erkenntnissen aus Psychologie und Informatik
Das Konzept zum multimedialen Rechtschreib-Lernspiel Dybuster wurde von Markus Gross, Professor für Informatik und Direktor des Laboratoriums für graphische Datenverarbeitung der ETH Zürich, in mehrjähriger Arbeit entwickelt und von seinem Assistenten Christian Vögeli verfeinert. Das Programm verfolgt einen einzigartigen Ansatz, indem es wissenschaftliche Resultate aus der Psychologie mit Erkenntnissen aus Teilgebieten der Informatik, wie z.B. Informations- und Codierungstheorie, Maschinelles Lernen und 3D-Spieletechnologie verbindet.
"Legastheniker haben meist Schwierigkeiten mit der Umsetzung von der gesprochenen zur geschriebenen Sprache und umgekehrt. Ursache dafür sind unter anderem Probleme der auditiven und visuellen Wahrnehmungsverarbeitung", erklärt Doktorand Christian Vögeli. "Dybuster versucht daher, die betroffenen Kinder über andere Reize, für die sie empfänglicher sind, anzusprechen, beispielsweise über Farbe und Musik."
Auf spielerische Weise Fortschritte machen
Dybuster enthält drei aufeinander aufbauende Lernspiele, die den Kindern durch ansprechende dreidimensionale Computergraphik schmackhaft gemacht werden. Die Buchstaben des Alphabets werden dabei in verschiedene Gruppen aufgeteilt, denen jeweils eine Farbe und ein Musikton zugeordnet werden. Jedes Wort wird in seine Silben zerteilt und durch einen dreidimensionalen Graphen dargestellt. Auf diese Weise sollen die Kinder nach und nach die korrekte Rechtschreibung der 10 000 häufigsten Wörter der deutschen Sprache lernen. Für jedes richtig geschriebene Wort gibt es Punkte, und der Spieler wird durch eine kleine graphische Animation belohnt. Für jeden Benutzer errechnet Dybuster individuell den nächsten optimalen Lernschritt.
Auswertung der Studie Ende September
Die kleinen Probanden sind mit Feuereifer bei der Sache: "Einige Kinder können sich nur schwer losreissen von ihrem 'neuen Computerspiel'. Wir mussten sogar nach der ersten Woche eine neue Dybuster-Version verteilen, bei der sich das Programm nach abgelaufener Trainingszeit selbst abstellt", lacht Christian Vögeli, der natürlich hofft, dass Dybuster neben Spass auch die erhofften Fortschritte im Lesen und Schreiben bringt. Inwiefern das der Fall ist, wird sich voraussichtlich Ende September zeigen, wenn die Auswertung der Studie vorliegt.
Mehr Informationen zur Studie finden Sie unter http://graphics.ethz.ch/dybuster
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