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20.03.06
Was ist Informatik eigentlich? Ist das nicht nur etwas für Technik-Freaks? Kommt ein Informatikstudium für mich überhaupt in Frage? Vom 13. bis 17. März 2006 hatten 25 Gymnasiastinnen aus der ganzen Schweiz die Gelegenheit, bei der Schnupperwoche zum Informatik-Studium an der ETH Zürich Antworten auf diese und andere Fragen zu finden, Vorurteile aus dem Weg zu räumen und sich sogar schon ein wenig im Programmieren zu üben.
Katja Abrahams hat sich der Gruppe angeschlossen und schildert ihre Eindrücke
Fünf abwechslungsreiche Tage an der ETH zum Zuhören und Mitmachen
Der Stundenplan der Schnupperwoche, die seit 1999 von der Abteilung für Frauenförderung des Departements Informatik organisiert wird, war sehr abwechslungsreich und ausgewogen. Morgens wurde den Schülerinnen zunächst mittels Kara, dem programmierbaren Marienkäfer, ein spielerischer Einstieg in die Java-Programmierung vermittelt. Ab Mittwoch ging es dann "nur" noch um Java und das Programmierprojekt "Hangman". Am Nachmittag standen unter anderem Einführungen in spannende Teilbereiche der Informatik, wie z.B. die Verschlüsselungstechniken in der Kryptographie oder ein Ausblick im Ubiquitous Computing auf die "smarten" Gegenstände von morgen auf dem Programm.
Im Kurs "Informatik-Projekte" durften die Mädchen ihrer Kreativität freien Lauf lassen und futuristische Schreibgeräte entwickeln, etwa ein "e-bracelet" mit Spracherkennung oder ein durch Gehirnströme gesteuerten Mini-Laptop mit eingebautem Spiegel für die Frau. Ausserdem lernten sie, dass man als Informatiker bei weitem nicht nur programmiert, sondern an Projekten arbeitet, deren Erfolg auch von anderen Faktoren, wie z.B. Zeit- und Qualitätsmanagement, abhängt. Weitere Highlights der Woche bildeten der traditionelle "Spaghetti-Plausch" am Dienstag Abend sowie der Abschieds-Apéro am Freitag.
Informatikerinnen erzählen aus der Berufswelt
Aufschluss über das Berufsleben als Informatikerin gaben ein Besuch bei IBM Research in Rüschlikon sowie zwei Vorträge von Informatikerinnen über ihren Werdegang.
Petra Marty ist ETH-Absolventin und hat 2005 ihre erste Stelle als IT-Consultant bei Cambridge Technology Partners, einer Tochtergesellschaft von Novell, angetreten. "Ihr müsst keine Technik-Freaks sein, die Tag und Nacht vor dem Computer sitzen, und auch keine Hardwarespezialisten. Viel wichtiger sind konzeptionelles Arbeiten und ein gutes Abstraktionsvermögen", beschwichtigt die junge Frau, die momentan an der Weiterentwicklung des Customer Relationship Management von Swisscom Mobile arbeitet und sich in einem reinen Männerteam behauptet. Sie wird von ihren Mitarbeitern geschätzt und respektiert und hat das Gefühl "frischen Wind" in ihre Abteilung zu bringen.
Esther Gelle hat an der ETH Lausanne studiert und auch dort doktoriert. Sie arbeitet als Projekt- und Gruppenleiterin beim ABB Forschungszentrum in Dättwil und ist für ein 9-köpfiges Team verantwortlich, das nur aus Männern besteht. "Frauen verfügen meist über sehr gute kommunikative Fähigkeiten und beweisen in zwischenmenschlichen Beziehungen das notwendige Fingerspitzengefühl, das Männern manchmal fehlt", betont die 39-jährige, "Allerdings neigen wir Frauen oft zu sehr zum Perfektionismus und lassen uns durch Kritik leicht aus der Bahn werfen." Esther Gelle ist zuversichtlich, dass mehr und mehr Frauen ihren Weg in die Informatikwelt finden werden, da sich gezeigt habe, dass gemischte Gruppen bessere Resultate bringen. Ein weiterer Pluspunkt, den sie augenzwinkernd für ein Informatikstudium ins Feld führt: "Es gibt viele hilfsbereite und nette Männer!"
Aus dem Nähkästchen geplaudert: Der "Runde Tisch"
An einem der Nachmittage befragten die Gymnasiastinnen am "Runden Tisch" sechs Informatik-Studentinnen über das Studium an der ETH, um zu erfahren, wie der Alltag einer Studentin aussieht und worin die Hauptunterschiede zum Schulunterricht bestehen. Eine Schülerin möchte wissen, wie schwer man es als Frau hat, sich als Minderheit in dem von Männern dominierten Studiengang zu behaupten. Bettina, die ihr Studium demnächst abschliessen wird, antwortet, dass den Informatik-Studienanfängerinnen ein wenig mehr Selbstbewusstsein nicht schaden würde: "Man darf sich nicht von Kommilitonen einschüchtern lassen, die zu Beginn des Studiums gerne mit ihren guten Programmierkenntnissen prahlen", warnt die Studentin, die mit 17 selbst das Schnupperstudium besuchte. "Viele von ihnen bluffen nur, um uns Mädchen zu beeindrucken, doch spätestens, wenn sie in den Matheprüfungen durchfallen, merkt man, dass nicht viel dahinter steckte."
Die Antworten auf ihre Fragen sowie die Tatsache, dass Programmierkenntnisse nicht Voraussetzung für das Studium sind und die meisten der anwesenden Studentinnen vorher noch nie programmiert hatten, lassen die Schülerinnen sichtlich aufatmen. So schwer ist ein Informatikstudium vielleicht doch nicht!?
Motivierte Schülerinnen
Den 25 Schülerinnen scheint die Woche sehr viel Spass gemacht zu haben, und einige können sich gut vorstellen, nach dem Schulabschluss an der ETH Zürich zu studieren.
Für die 19-jährige Irene, die die Kantonsschule Limmattal (ZH) besucht, war schon zu Beginn der Schnupperwoche klar, dass sie gerne Informatik studieren möchte. Sie ist gut in Naturwissenschaften und hat im Matheunterricht bereits mit dem Softwarepaket Matlab programmiert.
Dominique ist 17 und geht in Fribourg zur Schule. Sie hat Mathe und Physik als Schwerpunktfächer gewählt, fühlt sich jedoch als Mädchen durch ihren Lehrer, der naturwissenschaftlich begabte Mädchen immer noch als "exotische Ausnahmeerscheinungen" anzusehen scheint, etwas verunsichert: "Es war echt eine sehr interessante Woche, und mir ist klar geworden, was Informatik eigentlich ist. Da ich mich aber auch für Sprachen und Recht interessiere, werde ich mich erst nach der Matura endgültig für ein Studienfach entscheiden."
Die 18-jährige Lea ist extra aus dem Tessin angereist, um am Schnupperstudium teilzunehmen. Ihr haben die Vorträge am besten gefallen, insbesondere der zum Ubiquitous Computing. Die Einführung ins Programmieren würde sie allerdings etwas kürzen, da sie sich etwas überfordert fühlte. Lea würde gerne an der ETH studieren, schwankt aber noch zwischen Informatik und Mathematik.
Das Schnupperstudium macht Schule
Ruedi Arnold ist seit 2003 Co-Leiter der Abteilung Frauenförderung, die neben anderen Aktivitäten auch das Schnupperstudium organisiert. Für ihn ist es jedes Mal aufs Neue eine tolle Erfahrung, den Gymnasiastinnen einen Einblick in die Informatik als Studium und als Beruf vermitteln zu können: "Besonders befriedigend ist es für uns, dass rund die Hälfte der Studienanfängerinnen ein oder zwei Jahre zuvor das Schnupperstudium besucht hat. Das ist ein Beweis dafür, dass unser Konzept sich bewährt hat", freut sich der Doktorand vom Institut für Pervasive Computing, der im Nebenfach Didaktik studiert hat. "Trotzdem haben wir noch ein gutes Stück Arbeit vor uns, denn der Frauenanteil unter den Informatik-Studierenden ist mit 10% immer noch gering."
Das Schnupperstudium hat übrigens auch Anhänger über die Schweizer Grenzen hinaus gefunden und wird demnächst eine Reise gen Norden antreten: Britta Linnemann, Doktorandin des Informatik-Fachbereichs der Universität Hamburg und Mitglied des dortigen Frauenausschusses, plant, das Konzept zu übernehmen und im Herbst 2006 eine ähnliche Einführungswoche für Schülerinnen ins Leben zu rufen.
Das
nächste Schnupperstudium wird im Herbst 2006 stattfinden. Weitere
Informationen zum Schnupperstudium und den weiteren Aktivitäten der
Frauenförderung finden Sie unter http://www.frauen.inf.ethz.ch/
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