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03.04.2006
Im Sommer 2004 entstand unter Informatikstudierenden der Studentischen Organisation für Selbsthilfe an der ETH (SOSeth) die Idee, ein abwechslungsreiches, nach Themen strukturiertes Internetradio für Studierende und Mitarbeiter ins Leben zu rufen. Nach und nach wurden Mitarbeiter rekrutiert, technisches Material angeschafft und ein Studio eingerichtet. Seit dem Wintersemester 2005/2006 gibt es nun rund um die Uhr Musik und Programm von „Radio Radius“. Katja Abrahams traf das Radio-Team bei einer seiner wöchentlichen Sitzungen und interviewte Urs Breu und Daniel Fasnacht, zwei der Initiatoren des Projekts.
Ihr vom "Radio Radius"-Team studiert alle Informatik. Inwiefern helfen euch eure Programmierkenntnisse beim Radiomachen?
Urs Breu: Am Anfang standen wir
vor der Herausforderung, eine optimale Softwarelösung zur Übertragung der
Audio-Daten zu entwickeln, und da gab es schon so einige technische Probleme zu
lösen. Die Streaming-Software, auf der unser Internetradio basiert, haben wir
zum grössten Teil selbst geschrieben.
Entwickelt haben wir die Software,
die nebst dem Streamen auch das Aufnehmen von Sendungen erledigt, in der
Programmiersprache Python. Dabei kamen uns unsere Programmierkenntnisse
natürlich sehr zugute. Die Software wird weiterentwickelt werden, denn
zukünftig möchten wir innerhalb des ETH-Netzwerks den Radiostream per Multicast
versenden.
Stimmt es,
dass einige von euch einen Moderationskurs besucht haben?
Daniel Fasnacht: Ja, das ist richtig. Im
Dezember 2004, als unser Radioprojekt noch in den Anfängen war, haben drei von
uns einen Moderationskurs beim Lokalsender "Radio LoRA" absolviert. Dort haben
wir viel Nützliches zu Aufbau und Gestaltung einer Radiosendung, Fachbegriffe
sowie etwas Sprechtechnik gelernt. Der Kurs hat uns dabei geholfen, darauf zu
achten, wie man sprechen sollte, um möglichst professionell zu wirken. Es ist
beispielsweise sehr wichtig zu wissen, wann man zum nächsten Programmteil
übergehen sollte, um die Zuhörer nicht zu langweilen. Ankündigungen wie "Und
nun kommt wieder etwas Musik" kann man getrost weglassen, da sie einfach
überflüssig sind. Der Kurs alleine genügt natürlich noch nicht, denn vieles
erlernt man erst durch die eigentliche Produktion von Sendungen.
Wie viele
feste Mitglieder bzw. Moderatoren habt Ihr momentan, und was sind eure
Aufgaben?
Urs Breu: Unser Team besteht derzeit aus acht Informatik-Studierenden. Wir sehen uns in erster Linie als Dienstleister für musikbegeisterte Studierende, denen wir die technische Infrastruktur zur Verfügung stellen, um eine Sendung zu moderieren. Möchte jemand gerne seine Lieblingsmusik spielen oder Professoren interviewen, erklären wir ihm die Technik und stehen helfend zur Seite. Zurzeit gestalten etwa 15 Moderatoren, Studierende aller möglicher Fachrichtungen, den Inhalt der Sendungen. Auf die Programmgestaltung nehmen wir eigentlich keinen Einfluss, denn für Live-Sendungen bringt jeder unserer Moderatoren seinen eigenen Rucksack voll Musik mit. Allerdings ist uns wichtig, dass die Moderatoren sich thematisch an eine Musikrichtung halten, möglichst regelmässig Sendungen machen und nicht nach kurzer Zeit schon wieder aufhören. Ergeben sich trotzdem einmal Lücken im Programm, schliessen wir vom Team diese mit eigenem Material.
Welche Musikstilrichtungen gibt es auf "Radio Radius?"
Urs Breu: Die Bandbreite an Stilrichtungen reicht momentan von Hip-Hop über Rap, Rock und Electro zu Jazz, Soul und dem Besten aus den 90ern und später. Wir sind aber auch für andere Musikrichtungen offen. Unseren bisherigen Hörerrekord haben wir übrigens mit der Ausstrahlung eines so genannten "MC battles", eines Hip-Hop-Konzerts aus dem Jugendkulturhaus "Dynamo", erzielt.
Müsst Ihr als Internetradio eigentlich eine Lizenzgebühr entrichten?
Daniel
Fasnacht:
Wir sind gerade am Verhandeln mit der IFPI, der "Interessenvertretung der
Hersteller und Produzenten von Tonträgern in der Schweiz", die sich um den Einzug der Lizenzgebühren kümmert. Die
IFPI hat eine Art Monopolstellung und recht unrealistische Vorstellungen davon,
wie viel wir als Campus-Radio zahlen können. Leider ist der Bereich
Internetradio noch eine rechtliche Grauzone. Allerdings gibt es seit kurzem die
ISI, die "Interessengemeinschaft Schweizer Internetradio", deren Mitglied wir
sind. Das ist ein unabhängiger Förderverein der Kultur- und Medienvielfalt in
der Schweiz, dessen Hauptziel es ist, die Urheberrechtsabgaben für Schweizer
Internetradiostationen transparenter zu gestalten.
Kann "Radio
Radius" noch weitere Mitarbeiter gebrauchen?
Urs Breu: Mitarbeiter sind bei uns jederzeit herzlich willkommen, insbesondere Moderatoren! Wir bieten ja 24 Stunden am Tag Radioprogramm, haben allerdings zu wenige Mitarbeiter, um ein gut strukturiertes, ausgewogenes Programm zu machen. Daher gibt es zurzeit viele Wiederholungen.
Daniel Fasnacht: Gut gebrauchen könnten wir ausserdem einen Designer für unsere Website www.radio.ethz.ch, die u.a. dank Webcam und der Möglichkeit, die Software zum Hören unserer Sendungen herunterzuladen, sehr interaktiv ist. Wir suchen jemanden mit Gefühl für gutes Design, der in der Lage ist, unseren Webauftritt optisch ansprechend und vor allem benutzerfreundlich zu gestalten. Schliesslich richtet sich unser Programm ja auch an ein technisch weniger versiertes Publikum. Auch ein Graphiker zur Gestaltung unserer Flyer und anderer Werbemittel sowie weitere Mitarbeiter für den Bereich Werbung und Marketing würden wir mit offenen Armen empfangen. Wir haben wirklich ein sehr weites Spektrum an interessanten Aufgaben zu bieten, bei denen man in technischer wie in musikalischer Hinsicht kreativ sein und seine eigenen Ideen verwirklichen kann.
Was plant
Ihr für die Zukunft?
Urs Breu: Unser Hauptanliegen ist es, unseren Bekanntheitsgrad und damit unsere Hörerzahlen weiter zu steigern. Das erreichen wir am besten durch ein möglichst vielfältiges und abwechslungsreiches Programm, bei dem für jeden musikalisch etwas dabei ist. Dabei ist die Hürde wirklich gar nicht so hoch: Eine halbe Stunde Einführung genügt, dann kann ein neuer Moderator bereits auf Sendung gehen! Darüber hinaus planen wir Einsätze unserer Moderatoren als DJs auf Studentenparties, um so etwas Werbung für uns zu machen. Unser Fernziel ist eine lokale UKW-Frequenz für Zürich. Allerdings wird die finanzielle Unterstützung durch die Studentenorganisation SOSeth dafür nicht ausreichen. Da müsste uns schon die ETH als Geldgeberin unter die Arme greifen.
Das Radioprojekt macht uns viel Spass, und wir würden uns über neue Gesichter im Umfeld des Radios freuen!
Radio Radius im Internet: www.radio.ethz.ch
ETH Life über "Radio Radius": http://www.ethlife.ethz.ch/articles/tages/radioradius2006.html
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