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Kontaktparty 2008

Mit jedem Jahr professioneller: Die Kontaktparty, das Job-Forum von Studierenden für Studierende

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März 2008


Seit 23 Jahren organisiert die Kontaktpartykommission des VIS (Verein für Informatik Studierende), kurz KPK, die Jobbörse "Kontaktparty". Ziel der Kontaktparty ist es, Informatikstudierenden und Firmen in ungezwungener Atmosphäre eine Plattform zur Kontaktaufnahme zu bieten. Zwei Berichte aus verschiedenen Perspektiven: Jan-Filip Zagalak, amtierender Kontaktparty-Präsident, schreibt über den gelungenen Ablauf der Kontaktparty 2008, die vom 26.-27. Februar an der ETH stattfand. Nicky Kern, ETH-Alumnus und Alt-Kontaktparty-Präsident, erläutert die Bedeutung von Zeiten wie diese, in denen die Anzahl offener Stellen die der Abgänger um ein Vielfaches übersteigt.

Bewährtes und Neues ergänzen sich: Die Kontaktparty 2008 lockte 89 Firmen und knapp 450 Besucher an

Jan-Filip Zagalak, Masterstudent Informatik und seit März 2007 Kontaktparty-Präsident
Jan-Filip Zagalak, Masterstudent Informatik und seit März 2007 Kontaktparty-Präsident
Von Jan-Filip Zagalak

Berichte über Kontaktparties (KP) kennt man ja: Adjektive nur im Superlativ, exorbitante Statistikzahlen, Fotos von Studierenden, die überglücklich Hände von Leuten im Anzug schütteln. Doch wie war die Kontaktparty 08 wirklich? Wer könnte das besser beurteilen als der amtierende und ein ehemaliger KP-Präsident, der dieses Jahr als Firmenvertreter an der KP08 teilgenommen hat? Leuten wie Nicky Kern entgeht mit Sicherheit nicht der kleinste Kratzer auf den Firmentischkärtchen, haben sie doch diese vor geraumer Zeit noch selber gefaltet.

Die KP-Kommission 08 (KPK) musste sich erst einmal die Sporen verdienen, eine Frischzellenkur brachte ihr anfangs 2007 50% neue Mitstreiter. Es galt an 2 Tagen hochgesteckte Ziele zu erreichen. Doch die Prüfung begann bereits im Vorfeld, denn viele Neuerungen sollten umgesetzt und integriert werden. Visit, das neue Firmenportal des VIS, sollte den teilnehmenden Firmen ein breiteres Angebot an Dienstleistungen anbieten und gleichzeitig die Interaktion mit der KPK vereinfachen. Selbstverständlich sollte Visit auch den Studenten mehr bieten. Zu diesem Zweck haben wir einen Namensschildservice aufgeschaltet, der es erlaubt den Auftritt auf der Kontaktparty professioneller zu gestalten. Auch die bestens bewährten Firmenportraits wurden überarbeitet und erscheinen jetzt im gewohnten KP-Heft-Look.

Dank Swiss Independence konnten wir dieses Jahr einen CV Speed Check anbieten. Die Teilnehmer konnten ihren Lebenslauf durch Profis auf Herz und Nieren prüfen lassen. Um den Erfolg dieses Angebots zu messen, brauchte man beim besten Willen keine Warteschlangentheorie, denn der Andrang vor dem Stand war stets konstant gross. Zum Glück hatten wir genügend Süssigkeiten vor Ort, um den Blutzuckerspiegel von Matthilda Hansen und Vincent van der Lubbe, den beiden "CV Speed Checkern", genügend hoch zu halten, damit auch wirklich alle CVs durchgeschaut werden konnten.

Das Kunststück, die Mensa innerhalb von 15 Minuten von einer "Spachtelhalle" in eine IT-Messe umzuwandeln, gelang nur dank zahlreichen Helfern. Zwar herrschten dieses Jahr widrige Umstände, die uns alle am ersten Tag vor eine sehr grosse Herausforderung stellten. Jedoch vermochten eine Analyse am Abend und die guten Ratschläge der Helfer das Vorgehen so weit an die herrschende Situation zu adaptieren, dass die gleiche Aktion am zweiten Tag völlig reibungslos und effizient ablief. Nur dank dem unermüdlichen Einsatz dieser Helfer, konnten 89 Firmen und knapp 450 Teilnehmer während 2 Tagen die Kontaktparty besuchen.

Im Anschluss an die Kontaktparty galt es 30 Liter Sekt, 40 Liter Wein sowie zahlreiche Packungen Chips und Erdnüsse zu vernichten. Diese Aufgabe wurde dank der grossen Teilnehmerzahl an Besuchern und "Ausstellern" meisterlich erfüllt und der als Kontaktpartyverlängerung gedachte Apéro rege besucht.


Abschliessend bedanke ich mich herzlich bei allen, die diese 23. Kontaktparty ermöglicht haben, besonders bei meinen "Kommissionsgenossen", die unermüdlich und voller Elan dieses gewaltige Projekt durchgezogen haben und dabei selbst Nachtschichten und Abmeldungen von Sessionsprüfungen in Kauf genommen haben.

Gute Zeiten für ETH-Informatiker, schlechte Zeiten für die Industrie

Von Nicky Kern

Der Trubel der Kontaktparty ist vorbei, die Studierenden sind froh, etwas von der Welt "da draussen" erfahren zu haben, die Firmenvertreter sind froh um die Interessenten – alles scheint gut. Trotz des ausgezeichneten Anlasses bleibt ein leicht flaues Gefühl zurück: Die Anzahl offener Stellen übersteigt die Interessenten um ein Vielfaches und man fragt sich, wer die anstehenden Informatik-Aufgaben erledigen wird. Quereinsteiger mit einer 3-monatigen Programmier-Schnellbleiche?

Informatiker aus fernen Ländern ohne echtes Verständnis unserer Anforderungen? Schlimmer noch: Mit welchen Langzeitschäden ist zu rechnen, wenn wir mit den so entstandenen Lösungen Jahrzehnte lang leben müssen?

ETH-Informatiker waren immer schon rar: Dies ist nicht die erste Kontaktparty, bei der die Anzahl der Firmen die der Abgänger übersteigt. Selbst in den "schlechten" Jahren fanden Abgänger des D-INFK schnell eine gute Stelle. Und das nicht ohne Grund: So gut ausgebildete Informatiker sind in der Industrie selten. Erst seit meinen beinahe zwei Jahren eigener Berufserfahrung wird mir bewusst, wie selten sie wirklich sind.

In letzter Zeit scheint sich die Situation zu verschlimmern: Einerseits steigt der Bedarf mit dem Zuzug von Hightech-Firmen wie Google und Microsoft, innovativen Neugründungen wie LiberoVision oder Esmertec und dem nach wie vor wachsenden Bedarf an innovativen IT-Lösungen in etablierten Industrien. Andererseits sinkt die Zahl der Informatik-Studierenden. Dazwischen öffnet sich eine Schere, welche mittelfristig die Dynamik der Schweizer Volkswirtschaft bedroht.

Dementsprechend sind die Karriereaussichten für ETH-Informatiker besser und vielseitiger als in vielen anderen Studienrichtungen: Spannende, vielseitige und abwechslungsreiche Aufgaben in den verschiedensten Bereichen finden alle Absolventen in rauer Menge. Eine überdurchschnittliche Entlöhnung sowieso.
Dennoch sinkt die Anzahl der Studienanfänger: Das Bild der Informatik und der Informatiker in der Öffentlichkeit und bei potentiellen Studienanfängern und ihrem Umfeld scheint nicht der Realität zu entsprechen. Mit der zunehmenden Verbreitung von Computern manifestiert sich offenbar das Bild, dass "Informatik" für die Anwendung von Computern steht, statt deren Programmierung und Bau. Genauso ist das Bild der Informatiker und Informatikerinnen verzerrt – der wirklichkeitsfremde "Nerd", der in Gesprächen immer wieder aufkommt, entspricht - zumindest aus meiner Perspektive - in keinster Weise der Realität.

Als ETH-Informatiker und -Informatikerinnen haben wir alle ein Interesse daran, dieses Bild zu korrigieren und mehr junge Menschen für die Informatik zu begeistern. Als Studierende fühlen wir uns natürlich geschmeichelt, wenn wir von allen Seiten umworben werden, aber wir bezahlen einen hohen Preis dafür. Als Informatik-Departement sinken mit den Studierendenzahlen auch die Bedeutung, die Mittel und schlussendlich Vielseitigkeit und Qualität. Uns Alumni fehlen die Kollegen, mit denen wir auf Augenhöhe innovative neue Firmen gründen oder hochinteressante Informatikprobleme lösen können.

Es gibt viele gute Initiativen, um die Informatik attraktiv zu machen: Schnupperstudium, Schulklassenbesuche am Departement, Maturandentage, "ETH unterwegs", die "Roadshows" an Mittelschulen im Rahmen des Jahres der Informatik, Aktivitäten der Nachwuchskommission "NachKomm" des VIS, Lehrerfortbildung, und vielleicht sogar bald "richtige" Informatik im Gymnasiallehrplan. Am Ziel sind wir allerdings noch nicht. Wir alle, Departement, Alumni und Studierende, müssen am gleichen Strang ziehen, um das Bild der Informatik und der Informatiker in der Öffentlichkeit zu korrigieren und junge Menschen für die Informatik zu begeistern. Wir sitzen alle im selben Boot.

Weitere Informationen zur Kontaktparty unter http://www.visit.ethz.ch.

 

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© 2012 ETH Zurich | Imprint | 31 March 2008
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