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Oktober 2007
Zum Herbstsemester 2007 bekommt die Frauenförderung ein neues Führungsduo: Mit Abschluss ihrer Dissertationen übergeben Eva Schuberth und Ruedi Arnold das Zepter an Christina Pöpper, Doktorandin an der Professur für Informationssicherheit, und Adrian Altenhoff, der am Institut für Computational Science promoviert. Beide haben an der ETH studiert und freuen sich auf die neue Herausforderung. Die Frauenförderung wurde 1993 von Assistierenden am Departement Informatik ins Leben gerufen, seit 1999 unterstützt das Departement die Initiative mit zwei von der Lehre befreiten Assistierenden. Ein Interview mit Katja Abrahams.
Ruedi, du bist seit April 2003 bei der
Frauenförderung. Fällt dir der Abschied schwer?
Auf jeden Fall! Vier Jahre sind eine ganz schöne lange Zeit. Es hat mir viel Spass gemacht, und ich werde besonders das Schnupperstudium vermissen. Und wenn ich Ende Oktober die ETH verlasse, wird sicher etwas Wehmut dabei sein.
Dein Fazit nach über vier Jahren bei der Frauenförderung?
Die Zahlen zeigen, dass wir uns auf dem richtigen Weg befinden: Die Hälfte der Frauen, die jedes Jahr das Informatikstudium aufnehmen, sind ehemalige Teilnehmerinnen der Schnupperwoche. Was uns ausserdem ein wenig mit Stolz erfüllt: Wir werden kopiert! An den Unis in Hamburg und Kiel sind nach unserem Vorbild ähnliche Initiativen gegründet worden.
Im europäischen Vergleich ist die Schweiz jedoch weiterhin so ziemlich Schlusslicht, was den Frauenanteil in den technischen Studiengängen anbelangt. Rund 10% der Informatikstudierenden an der ETH sind Frauen. In anderen Ländern, z.B. Spanien und Italien, bei denen man eher denken würde, dass eine traditionelle Rollenverteilung vorherrscht, gibt es mehr Frauen im technischen Bereich. Das ist schon erstaunlich. In der Schweiz hindert die Gesellschaft nach wie vor durch Erziehung, Kultur und traditionelle Rollenbilder Frauen daran, in Männerdomänen Fuss zu fassen. Damit sich etwas ändert, müsste man schon ganz früh ansetzen, ab der Primarschule. Momentan fehlen leider noch die kreativen und innovativen Ansätze, damit sich wirklich etwas ändert. Es gibt Studien, die belegen, dass Mädchen in technischen und naturwissenschaftlichen Fächern von nach Geschlechtern getrennten Klassen profitieren. Das wäre sicherlich eine Möglichkeit, die Frauenquote in technischen Studiengängen zu steigern. Unser Beitrag ist hier zum Beispiel das Schnupperstudium: Die Teilnehmerinnen haben nach dieser Woche ein realistisches Bild von Informatik als Studium und Beruf. Dieses Bild können sie dann in ihrem persönlichen Umfeld weiterverbreiten. Durch diesen Multiplikatoreffekt erhoffen wir uns ein positiveres Bild der Informatik in der Bevölkerung.
Auf die
Gefahr hin, dass du die Frage nicht mehr hören kannst: Warum ist es überhaupt
wichtig, dass Frauen Informatik studieren?
Für mich persönlich habe ich mit der Zeit immer mehr Gründe dafür gefunden, dass unsere Aktivitäten Sinn machen: Wir alle wissen, dass Informatik heute allgegenwärtig ist. Dadurch haben Informatiker einen grossen Einfluss auf die Produkte und Forschungsgebiete der Zukunft. Da heute überwiegend Männer in der IT-Entwicklung tätig sind, bringen sie nur ihre eigenen Wünsche und Vorstellungen ein. IT-Produkte müssen aber allen Teilen der Gesellschaft gerecht werden, daher ist der "weibliche Blick" sehr wichtig.
Am wichtigsten ist sicherlich die Tatsache, dass Industrie und Wirtschaft händeringend nach qualifizierten Fachkräften suchen. Da ist es einfach unverantwortlich, dass das Potential von 50%, das die Frauen ausmachen, einfach brachliegt. Frauen besitzen zudem meist eine hohe soziale Kompetenz und bessere "soft skills" als Männer: Sie besitzen Einfühlungsvermögen und Fingerspitzengefühl und können gut zuhören, wesentliche Voraussetzungen für Teamarbeit, wie sie im interdisziplinären Arbeitsfeld Informatik notwendig ist. Ausserdem haben Studien gezeigt, dass das Arbeitsklima und damit die Produktivität einer Arbeitsgruppe besser ist, wenn sie gleichberechtigt aus Männern und Frauen besteht. Frauen schaffen also auf jeden Fall einen Mehrwert in der Informatik.
Christina, du hast hier an der ETH studiert. Was hast du persönlich für Erfahrungen gemacht als eine von wenigen Frauen im Informatikstudium und später im Doktorat?
Ich bin schon als Studentin in den Genuss der zahlreichen Angebote der Frauenförderung gekommen. Es war sehr hilfreich, Kontakte zu anderen Frauen, aber auch zu Professoren zu bekommen. Negative Erfahrungen habe ich eigentlich nicht gemacht. Wenn ich während des Studiums Fragen hatte, haben die Kommilitonen mir immer bereitwillig geholfen, und das habe ich natürlich als sehr angenehm empfunden. Jetzt im Doktorat stört es mich fast mehr als während des Studiums, dass wir Frauen eine kleine Minderheit sind. Bei uns auf dem Korridor bin ich die einzige Doktorandin, und dadurch, dass ich jetzt viel mehr auf meinen eigenen Arbeits- und Forschungsbereich beschränkt bin, muss ich den Austausch mit anderen Frauen gezielter suchen.
Eva, du hast freundlicherweise zwischen zwei Vorstellungsgesprächen Zeit für dieses Interview gefunden! Du hast in Passau studiert und dann an der ETH promoviert. Was sind deine Erfahrungen?
Ich denke, man ist als Frau im Informatikstudium schon etwas Besonderes. Für mich hat es sich jedenfalls nur positiv ausgewirkt. Es ist immer jemand da, der einem weiterhilft, wenn man Fragen hat. Man ist auch bekannter: Die meisten Professoren kennen einen beim Namen und haben ein offenes Ohr. Selbst jetzt bei der Jobsuche habe ich das Gefühl, dass Frauen einen gewissen "Exotenbonus" haben. Allerdings muss man als Frau seinen Standpunkt mit Nachdruck verteidigen. In Meetings wird meist mehr auf die Meinung der männlichen Teilnehmer gehört. Um genauso kompetent zu wirken wie ein Mann, muss man als Frau einfach mehr Arbeit investieren. Ich könnte mir vorstellen, dass Nachteile dann entstehen, wenn Frauen versuchen, Kinder und Karriere unter einen Hut zu bringen, da es in der Informatik so etwas wie Teilzeitstellen momentan noch so gut wie gar nicht gibt. Aber in diesem Bereich wird sich in nächster Zeit einiges tun: Es gibt einfach zu wenig Absolventen, daher wird der Arbeitsmarkt sicherlich flexibler werden und auch qualifizierte Frauen mit Kindern berücksichtigen.
Du warst eineinhalb Jahre in der Frauenförderung aktiv. Was ist dir besonders im Gedächtnis geblieben?
Es war eine spannende Zeit, da man etwas bewegen und seine Ideen umsetzen konnte, wie z.B. das Präsentationsseminar für Frauen, das es in Passau nicht gab. Besonders viel Spass hat mir das Schnupperstudium gemacht, zu unterrichten und zu sehen, dass es wirklich etwas bringt und man die Schülerinnen motivieren und begeistern kann.
Adrian, was sind deine Beweggründe als Mann, dich bei der Frauenförderung zu engagieren?
Ich habe die Frauenförderung während des Studiums nur am Rande wahrgenommen. Erst als Christina mich gefragt hat, ob ich mit ihr zusammen die Leitung übernehmen möchte, habe ich mich mit den Inhalten auseinander gesetzt. Beim letzten Schnupperstudium Ende August war ich zum Teil schon mit involviert. Ich finde es einfach eine gute Erfahrung, diese vielfältigen Aktivitäten mit auf die Beine zu stellen. Die Frauen im Studium habe ich als sehr offen empfunden, und ich hatte das Gefühl, dass sie frischen Wind in die Vorlesungen bringen. Insgesamt fand ich es ganz normal und selbstverständlich, dass Frauen mit dabei sind, und so sollte es ja auch sein.
Christina und Adrian, was sind eure Pläne für die Frauenförderung in der näheren Zukunft?
Adrian: Über die Jahre ist ein bunter Strauss von Angeboten zusammengekommen, die wir auf jeden Fall weiterführen und wenn möglich ausbauen werden: Für unsere Informatikstudentinnen organisieren wir verschiedene Aktivitäten, wie z.B. ein Mentorinnenprogramm für Erstsemestrige, einen Hardware- und Linux-Crash-Kurs, Rhetorikseminare oder die Vortragsreihe "Informatikerin im Beruf". Aber auch "Fun-Events" wie z.B. Filmabende und regelmässige Apéros stehen bei uns auf dem Programm.
Christina: Eines der Highlights unseres Programms ist und bleibt die Schnupperwoche für Gymnasiastinnen, die wir zweimal im Jahr durchführen, und an der Schülerinnen aus der ganzen Schweiz teilnehmen. Diese würden wir in der Zukunft gerne noch ausweiten, indem wir z.B. auch an Schulen in Deutschland und Österreich Werbung dafür machen. Es gibt bestimmt noch so einige Ideen, die wir umsetzen können, und wir freuen uns darauf!
Weitere Informationen: http://www.frauen.inf.ethz.ch
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