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27.06.06
Warum nicht einmal über den Tellerrand schauen und ein Unternehmenspraktikum im Ausland absolvieren? Die meisten Studierenden, die diesen Schritt gewagt haben, zählen diese Erfahrung zu einer der schönsten und wichtigsten ihres Lebens. Zwei Informatik-Studierende der ETH Zürich berichten über ihren Auslandsaufenthalt in China und Kalifornien.
Marcus de Luigi: Sechs Monate Praktikum bei Wicresoft Co., Ltd, Schanghai
Marcus De Luigi hat von September 2005 bis Ende Februar 2006 ein Praktikum bei Shanghai Wicresoft Co., Ltd, einem Joint Venture zwischen Microsoft und der Stadtregierung in Schanghai absolviert. Beworben hat er sich über die Vermittlungsstelle IAESTE (International Association for the Exchange of Students for Technical Experience). Marcus hatte zwar den Abgabetermin für seine Bewerbung um einen Tag verschlafen, doch zum Glück zeigte sich der Praktikavermittler grosszügig und nahm sie noch an. Nach einem Telefoninterview mit seinem zukünftigen chinesischen Chef, in dem Marcus seine Englischkenntnisse unter Beweis stellen musste, und der relativ unbürokratischen Abwicklung der Formalitäten über IAESTE stand der Reise nach Fernost nichts mehr im Wege.
Marcus reiste bereits im August 2005 nach China, um möglichst viel von dem grossen, exotischen Land sehen zu können. Im September begann dann sein Praktikum bei Wicresoft in Schanghai. Das Unternehmen hat laut Marcus zurzeit ca. 500 Mitarbeiter, betreibt insbesondere Software-Entwicklung und IT Support und hat ehrgeizige Expansionspläne. Marcus absolvierte sein Praktikum in der Abteilung "Business Intelligence". Dort werden Softwarelösungen entwickelt, um Unternehmens- und Wettbewerbsdaten in konkretes Wissen für strategische Entscheidungen im Unternehmen umzuwandeln.
Marcus' Hauptaufgaben bestanden darin, den SQL Server 2005, eine Datenmanagement- und Analyse-Plattform von Microsoft, auf ihre Anwendbarkeit in der Abteilung zu überprüfen und Schulungen für die Mitarbeiter zu machen. Darüber hinaus testete er die Tauglichkeit von Asterisk, einer Open-Source-Software, die alle Funktionalitäten einer herkömmlichen Telefonanlage abdeckt und Voice-over-IP mit unterschiedlichen Protokollen unterstützt. "Es war schon ein Sprung ins kalte Wasser, da es ohne lange Einarbeitungsphase gleich zur Sache ging. Andererseits konnte ich ziemlich eigenständig arbeiten, was ich sehr positiv fand", erzählt der ETH-Student.
Die regulären Arbeitszeiten gehen bei Wicresoft eigentlich von 9h bis 18h, allerdings fand Marcus schnell heraus, dass es in China üblich ist, seiner Firma ein paar Arbeitsstunden zu "schenken". Ähnlich verhält es sich mit den staatlich festgelegten Ferien: Vier Mal pro Jahr gibt es eine Woche Urlaub, allerdings wird diese Zeit nach Marcus’ Beobachtungen grösstenteils durch Überstunden und Wochenendarbeit wieder ausgeglichen. Gewohnt hat der angehende Informatiker für chinesische Verhältnisse sehr luxuriös in einer 2-Zimmer-Wohnung mit Blick auf die Skyline von Schanghai.
Allseits spürbar waren für Marcus die kulturellen Unterschiede zur westlichen Welt: "Die Chinesen zeigen es nicht gerne, wenn sie etwas nicht wissen oder verstehen. Nur wenige sprechen Englisch oder trauen sich nicht, aus Angst, Fehler zu machen. Da kann es schon mal zu Missverständnissen kommen", erklärt er. Als Vorteil erwies es sich jedoch, dass Marcus fast der einzige nicht-asiatische Mitarbeiter in der Abteilung war. Daher kannten ihn all seine Kollegen und halfen gern, wenn er Fragen hatte oder jemanden suchte. Die sechs Monate in Schanghai waren eine sehr spannende Zeit für Marcus, die er auf keinen Fall missen möchte: "Ich habe viel gelernt während meines Praktikums, nicht nur fachlich, sondern auch über die fremde Kultur und letztendlich meine eigene. Das war eine sehr wertvolle Erfahrung für mich, die ich jedem weiterempfehlen kann."
Praktikumsvermittlung IAESTE: http://www.iaeste.ch
Marcus Deluigis China-Fotogalerie: http://n.ethz.ch/student/mdeluigi/linkspictures.htm
Weiter zum Artikel Daniel Hottinger: Drei Monate
Praktikum bei Google in Kalifornien
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