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Stefan Wolf has been a Swiss National Science Foundation (SNF) Professor for Quantum Information at the Computer Science Department of ETH Zurich since October 2005. Born in Schaffhausen, Switzerland, he received a Dipl. Math. ETH, followed by a PhD in Computer Science from ETH Zurich under the supervision of Professor Ueli Maurer. After a postdoc at McGill University, Montreal, he was Assistant Professor at University of Waterloo, Ontario, and Université de Montréal, Quebec.
His research
domain lies in the fields of cryptography, information theory, and quantum
information processing. In particular, he is interested in an efficient
realization of provably secure cryptographic and other information-processing
functionalities based on weak classical or quantum-physical primitives. An interview with Katja Abrahams.
Interview currently available in German only!
January 2008
Ihr
Forschungsbereich ist Quanteninformation. Worum geht es dabei?
Gemäss einer berühmten Aussage des Physikers Ralph Landauer ist
Information physikalisch. Was heisst das? Nun, jeder beobachtbare Prozess, also
auch jeder Vorgang, bei dem Information verarbeitet, übertragen oder
gespeichert wird, ist letztlich ein physikalischer: wollen wir ihn grundlegend
verstehen, kommen wir um das Verständnis der Physik also nicht herum.
Die Quantentheorie regiert die Welt des Mikroskopischen; auf den ersten Blick setzt sie uns Limiten in der Computerentwicklung. Klar, Bauteile können ja nicht kleiner als Elementarteilchen werden! Das Ziel der Quanteninformatik ist es, den Spiess umzudrehen: Können wir die merkwürdigen Gesetze der Quantenphysik auch gewinnbringend einsetzen? Uns interessieren Aufgaben, die erst dank der Quantenphysik gelöst werden können -oder vielleicht besser, oder schneller. Ein Beispiel ist die Quantenkryptographie: Eine sonst unerreichbare Sicherheit wird möglich, wenn wir Information in einzelne Lichtteilchen verpacken. Dies beruht auf dem Prinzip, dass jede Beobachtung eines Systems dessen Zustand verändert. Das ist, als ob Sie einen Brief erhalten, und, weil einige Buchstaben falsch sind oder fehlen, wissen, dass ihn schon jemand vor ihnen gelesen haben muss.
Klingt
toll... Aber ist das nicht reine Zukunftsmusik?
Nein - eher bald schon wieder kalter Kaffee. Entsprechende Versuche
wurden, mit Glasfaserkabeln des Sponsors Swisscom, die unter dem
Genfersee
verlaufen, bereits durchgeführt. Zudem bietet ein Spinoff der
Universität Genf „Plug-and-Play'“-Quantenkryptographiegeräte an. Mit
etwa CHF 100'000.- sind Sie dabei; wobei ich für die Sicherheit dieser
Maschinen meine Hand allerdings nicht ins Feuer
legte!
Gibt es
weitere Anwendungen?
Ja. Es ist wohl völliger Zufall, dass es noch eine zweite wichtige
Verbindung zur Kryptographie gibt: Mit einem Quantencomputer, also einer
Rechenmaschine, die Effekte der Quantenphysik auszunützen vermag, können die
wichtigsten herkömmlichen Verschlüsselungsverfahren ganz einfach gebrochen
werden. So ein Computer konnte bis heute aber nicht gebaut werden - trotz
grosser Anstrengungen und falscher Erfolgsmeldungen.
Warum nicht?
Kennen Sie Schrödingers Katze?
Ist die
nicht gleichzeitig lebendig und tot?
Genau... aber nur solange niemand hinschaut! In einem Quantencomputer
müssen Bauteile in solchen „Katzenzuständen'“ zwar miteinander
wechselwirken, dürfen
dies aber nicht mit der Umgebung tun; eine genügende Abschirmung gegen
aussen
hat man indes bis heute nicht erreicht. Viele Forscher, auch an der
ETH,
arbeiten daran und erzielen stetig Fortschritte.
Und Ihre
Gruppe?
Wir studieren zum Beispiel den „informatischen'“ Nutzen des Phänomens
der Verschränkung. Verschränkt sind Systeme, die sich, obwohl
vielleicht räumlich voneinander getrennt, in einem gemeinsamen Zustand
befinden, der sich nicht
durch die Zustände der Teile beschreiben lässt. Das merkwürdige daran
ist, dass
diese Teile sich so verhalten, also würden sie untereinander
kommunizieren - obwohl
sie das gemäss Einstein's Relativitätstheorie gar nicht können! Wir
untersuchen, ob diese „Nichtlokalität'' ausgenutzt werden kann, um zum
Beispiel
kryptographische Sicherheit zu erreichen, und zu beweisen. Wir sind
aber auch Naturwissenschaftler: Können wir die Natur und die Gesetze,
die sie regieren, besser verstehen, wenn
wir sie vom Standpunkt der Information betrachten?
Ihre Gruppe
ist zusammen mit anderen Departementen der ETH an einem Polyprojekt zum Thema
Quantenforschung beteiligt. Worum geht
es dabei genau?
Das Projekt verbindet Gruppen aus vier Departementen (D-PHYS, D-CHAB,
D-ITET und D-INFK), die am Thema interessiert sind und am gleichen
Strang ziehen möchten.
Die engste Zusammenarbeit haben wir mit der Gruppe von Professor Renato
Renner
von der Theoretischen Physik.
Sie haben an
der ETH Mathematik studiert. Was hat Sie ans Departement Informatik und zu
Ihrem interessanten Forschungsgebiet geführt?
Ueli Maurers Kryptographievorlesung. Und dann die Lust, die Mathematik,
die am D-MATH manchmal etwas trocken daherkommt, zum Leben zu erwecken und anzuwenden.
In Kontakt mit der Quantenwelt kam ich dann bei Besuchen in Genf und während meiner vierjährigen Tätigkeit an der Université de
Montréal - im Umfeld von Gilles Brassard, dem Miterfinder der
Quantenkryptographie.
Wie sehen
Sie die ETH als Forschungsstandort?
Ich könnte mir keinen besseren vorstellen.
Welche
Vorlesungen halten Sie dieses Semester?
Eine Einführung in die Quanteninformatik, sowie die Logikvorlesung des
Bachelor-Basisjahres.
Was halten
Sie persönlich für besonders wichtig in der Lehre?
Dass eine echte Kommunikation stattfindet, und zwar in zwei Richtungen.
Dass das spezifische Wissen gut eingebettet und fundiert ist. (Was nützt es,
wenn ich genau weiss, wie ein Resolutionsschritt funktioniert, wenn mir
entging, wofür Resolution eigentlich gut ist?) Und schliesslich, dass sich
niemand dabei langweilt.
Haben Sie
ein Schlusswort für unsere Studierenden?
Seien Sie aktiv - Wissen und Fähigkeiten lassen sich selten passiv
aneignen. Stellen Sie Fragen - Neue Erkenntnisse fussen in manchmal naiven Fragen
und der Einsicht, dass man etwas noch nicht verstanden hat. Seien Sie kritisch - Denken Sie selbständig.
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