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Prof. Angelika Steger

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Vorlesungen in Theoretischer Informatik

Prof
Prof. Angelika Steger

Angelika Steger ist seit Oktober 2003 ordentliche Professorin für Informatik am Institut für theoretische Informatik der ETH Zürich.

Geboren am 13. Juni 1962 in München studierte sie Mathematik an den Universitäten Freiburg, Heidelberg und an der State University of New York at Stony Brook, wo sie ihr Studium 1985 mit dem Master of Science abschloss. Danach wechselte sie an das Forschungsinstitut für Diskrete Mathematik der Universität Bonn, wo sie 1990 promovierte und sich 1994 im Fach Informatik habilitierte. Nach einer Lehrstuhlvertretung an der Universität Kiel trat sie im Herbst 1995 eine C3-Professur an der Universität Duisburg an. Bereits ein Semester später wechselte sie auf eine C3-Professur für Theoretische Informatik an die Technische Universität München. Dort lehnte sie drei Rufe auf C4-Professuren ab, bevor sie im Oktober 2003 an die ETH Zürich wechselte.

September 2006

Welches ist Ihr Hauptinterssensgebiet in der Forschung?

Ich bin im Bereich der Theoretischen Informatik tätig. Hier beschäftige ich mich hauptsächlich mit randomisierten Algorithmen, probabilistischen Methoden und Optimierungsproblemen. Zur Zeit ist ein Schwerpunkt in meiner Forschung die so genannte Average-Case-Analyse. Die Average-Case-Analyse ist ein noch sehr junges Forschungsgebiet bei dem ich sehr viel Potential für die Zukunft sehe.

Worum geht es in der Average-Case-Analyse?

Wenn man ein Problem hat, dann möchte man ein Lösungsverfahren, bei dem man im Voraus abschätzen kann, wie lange es dauert, bis das Problem gelöst ist. Für sehr viele Probleme aus der Praxis kennt man solche Verfahren aber nicht. Hier wünscht man sich daher Algorithmen, die das Problem zumindest mit hoher Wahrscheinlichkeit schnell lösen.

Wie lange werden Sie an diesem Thema arbeiten?

Im Laufe der Forschung wird es immer wieder neue Erkenntnisse und Modifikationen am Programm geben. Ich glaube aber, dass uns das Thema sicherlich die nächsten fünf bis zehn Jahre beschäftigen wird. Generell ist die Theoretische Informatik kein Gebiet, das sich mit denjenigen Aspekten der Computerwissenschaft beschäftigt, die bereits morgen von der Industrie umgesetzt werden. Theoretische Informatik ist eher Grundlagenforschung. Von daher sind unsere Ziele und Visionen eigentlich auch immer langfristig angelegt.

Halten Sie auch Vorlesungen in diesem Gebiet?

Ja, ich halte verschiedene Vorlesungen, im kommenden Wintersemester auch wieder meine Lieblingsvorlesung! Das sind die Randomisierten Algorithmen, eine Vertiefungsvorlesung in der Theoretischen Informatik.

Warum ist sie Ihre Lieblingsvorlesung?

Es ist diejenige, die am nächsten an meinen Forschungsinteressen ist. Hier sehe ich deshalb die grosse Chance, meine Begeisterung für das Thema an die Studierenden weiterzugeben und sie ebenfalls für dieses Thema zu begeistern. Ich kann mit dieser Vorlesung hoffentlich ihr Interesse wecken und sie gegebenenfalls auch dazu motivieren, bei mir eine Masterarbeit in diesem Themenkreis zu schreiben oder vielleicht sogar später bei mir zu doktorieren!

Wie viele Studierende kommen in die Vorlesung?

Das wird sich zeigen. Letztes Jahr hatten sich 54 eingeschrieben. Was für eine Vertiefungsvorlesung durchaus eine ordentliche Zahl ist!

Wieviel Zeit wenden Sie ungefähr auf für eine Vorlesung? Macht eine Vorlesung ein grosser Teil Ihrer Arbeit aus?

Das ist sehr unterschiedlich. Für eine neue Vorlesung oder für eine, die es zu überarbeiten gilt, ist der Aufwand oftmals 10 bis 15 Stunden pro 2 Stunden Vorlesung. Die Vorlesung „Randomisierte Algorithmen“ hingegen habe ich schon öfters gehalten, da ist es sicher weniger. Andererseits versuche ich aber auch immer wieder, neue Forschungsergebnisse einzubringen. Das bedeutet dann, dass man sich überlegen muss welche Paper hierfür geeignet sind und welche Teile man wie einbauen kann und wie man sie am klarsten erzählt. Das kostet natürlich auch wieder sehr viel Zeit. Es ist also sehr schwer, den zeitlichen Aufwand zu beziffern. Generell ist es aber leider so, dass während des Semester die Forschung etwas kurz kommt.

Das geht aber bestimmt allen so.

Ja, das geht allen so. Und mein Job hat ja eigentlich, wenn man so will, drei Seiten – die Lehre, die Forschung und die administrative Komponente. Letzteres ist bei mir zum einen meine Tätigkeit als Forschungsrätin im Schweizerischen Nationalfonds; zusätzlich wurde ich bei der letzten Departementskonferenz ins Departementsmanagement gewählt. Dies wird sicher auch so einiges an Zeit und Energie erfordern. Alle drei Bereiche verbinden zu können ist anderseits auch das Schöne und Spannende an meinem Beruf.

Was haben die Studierenden davon, wenn sie Ihre Vorlesung zu den Randomisierten Algorithmen besuchen?

Von einer Vorlesung in der Theoretischen Informatik hat man insbesondere dann etwas, wenn man auf diesem Gebiet weitermachen und sich darin vertiefen möchte. Trotzdem glaube ich - und das zeigt auch die Zahl der Hörer, die ich habe – dass es auch für andere Bereichen gut ist, eine fundierte Ausbildung in der Theoretischen Informatik zu haben. Das ist es auch, was Personalberater zu schätzen wissen! Ich finde es immer wieder erstaunlich, wenn ich höre, dass diese lieber Mathematiker als Informatiker einstellen, mit dem Argument, dass die Mathematiker Probleme besser strukturieren und lösen können! Ich glaube, es ist entscheidend, dass Informatiker dies auch lernen. Und hier spielt die Theoretische Informatik eine wichtige Rolle. Nebenbei lernt man bei uns auch, mit Frustrationen umzugehen und sich durchzubeissen!

Die ETH möchte genau diese Grundlagen vermitteln. Die Studierenden sollen lernen, sich mit jedem Problem auseinandersetzen zu können.

Genau. Das ist auch ganz wichtig für das Studium an und für sich. Wenn man sich überlegt, wie die Informatik oder die technischen Möglichkeiten vor 20 Jahren aussahen - da liegen Welten dazwischen! Das, was man damals lernen konnte, nützt einem heute überhaupt nichts. Die Welt sieht anders aus. Das bedeutet, dass ein Studium die Fähigkeit vermitteln muss, flexibel auf die Veränderungen in der Umwelt zu reagieren, sich schnell einzuarbeiten und immer wieder an der vordersten Front aktiv zu sein. Dafür ist es sehr wichtig, Grundlagen zu vermitteln. Natürlich muss man auch konkrete Kenntnisse über aktuelle Technologien haben aber vor allem muss man flexibel sein, und sich an veränderte Situation anpassen können.

Finden Sie, die ETH mache das gut?

Ich glaube, man kann immer alles noch besser machen, und natürlich sehe ich vor allem das, was man besser machen könnte – das ist schliesslich mein Job! Aber ich glaube, unter dem Strich ist die Ausbildung hier sehr gut.

Die ETH hat ja den Anspruch, eine der besten Universitäten zu sein. Das müsste sich eigentlich auch im Niveau der Studienabgänger widerspiegeln. Denken Sie, dass die ETH diesem Anspruch gerecht wird?

Ich glaube, wir gehören national wie auch international tatsächlich zu den besten Universitäten. Man muss hier allerdings ein bisschen differenzieren. Im Bachelor-Studiengang hat die ETH hauptsächlich Studierende aus der Schweiz. Unter den Doktoranden ist der Anteil an Ausländern sehr hoch, was zeigt, dass wir international eine führende Rolle spielen. Daraus zu schliessen, die Schweizer Studienabgänger seien zu wenig qualifiziert für ein Doktorat, ist jedoch sicher falsch; die Schweiz ist einfach viel kleiner als die gesamte Welt, aus der wir die Doktorierenden rekrutieren können; und wir freuen uns natürlich dass wir für die besten der Welt attraktiv sind. Ich glaube, dass wir für beide Gruppen eine sehr gute Ausbildung anbieten.

Warum soll man denn überhaupt Informatik studieren?

Die Informatik ist ein sehr spannendes Gebiet! Wenn Sie sich unsere Informationsgesellschaft anschauen, dann sehen sie, wie sehr die Informatik die Gesellschaft prägt. Und Sie sehen auch, wie sehr man als Informatiker die Möglichkeit hat, die Gesellschaft mitzuprägen. Etwas Spannenderes kann ich mir noch immer nicht vorstellen!

Warum sind Sie Informatikerin geworden?

Ich hatte mich nicht für Informatik entschieden. Ich habe Mathematik studiert mit der Vorstellung, dass ich reine, klassische Mathematik machen möchte. Während meines Studiums habe ich gemerkt, dass mir hierfür dann doch die Motivation fehlt. Ich fragte mich, ob ich das wirklich ein Leben lang machen möchte. Ich fand es zwar spannend, wollte aber doch lieber etwas tun, von dem ich auch meiner Grossmutter erzählen kann, was es ist und warum es sinnvoll ist. So bin ich immer mehr Richtung angwandte Mathematik gegangen. Promoviert habe ich noch in Mathematik, aber habilitiert in der Informatik, und hier fühle ich mich wirklich sehr zu Hause.

Nun gibt es ja immer wieder diese Frage betreffend Frauen in der Informatik…. Sie werden ja sicher oft darauf angesprochen. Langweilt Sie das Thema?

Nun, im Prinzip langweilt es mich schon. Ich muss nach meinem Geschmack wirklich ein bisschen viel darüber reden! Andererseits ist das Thema natürlich sehr wichtig. Aber wenn man wirklich etwas ändern, also mehr Frauen in der Informatik haben will, muss man eigentlich schon im Kindergarten anfangen, in den Grundschulen. Es ist ein langfristiger Prozess, der in Gang gesetzt werden muss. Die Politik erwartet aber von uns, dass wir ganz schnell etwas ändern. Doch wenn wir zur Zeit unter den Studierenden nur 10% Frauen haben, dann können wir nicht einen Frauenanteil von 50% unter den Professorinnen erzeugen.

Die Informatik ist ja ein Bereich, in dem sich die Frauen speziell gut arrangieren können, wenn sie auch Familie haben wollen, denn man ist nicht unbedingt an fixe Arbeitsplätze und Arbeitszeiten gebunden.

Ja, das ist richtig. Nur fürchte ich, dass solche konkreten Perspektiven keine Rolle spielen. Das Problem ist das Image. Die Informatik kämpft noch mit dem Hacker-Image, und dieses stösst Frauen viel mehr ab als Männer. Wir müssen am Image arbeiten und das ist etwas bei dem auch kurzfristige Erfolge möglich sind. Da ich hier am Departement eine von nur zwei Kolleginnen bin und deshalb natürlich eine Vorbildrolle habe, sehe ich mich diesbezüglich auch in der Verantwortung.

Wie sehen Sie die Entwicklung in der Informatik und ihre Rolle für die Gesellschaft langfristig?

Ich glaube, dass das Ende der Informationsgesellschaft noch nicht absehbar ist. Die Entwicklungen in der Informatik in den letzten 20 Jahren haben die Gesellschaft geprägt, letztendlich sogar umgebaut. Auch in Zukunft wird sich diese Entwicklung fortsetzen. Man muss sich nur Asien und China anschauen, um zu sehen wie stürmisch solche Entwicklungen verlaufen können. Europa und damit auch die Schweiz sind immens gefordert, hier nicht den Anschluss zu verlieren.

Fühlen Sie sich an der ETH wohl? Können Sie sich vorstellen, hier länger zu bleiben?

Ich komme aus Deutschland und bin jetzt seit drei Jahren hier. Ich fühle mich hier ausgesprochen wohl und kann deshalb zur zweiten Frage nur ein klares Ja sagen! Auch Zürich und die Umgebung gefällt mir ausgezeichnet.

Haben Sie eine besondere Empfehlung an die Studierenden der Informatik?

Das Studium hier ist sehr fordernd, gerade in den ersten zwei Jahren. Trotzdem sollte man sich die Zeit nehmen, sich auch einmal tief in das ein oder andere Gebiet einzuarbeiten und sich selbständig und intensiv mit einem Thema auseinanderzusetzen. Die Bachelor oder Master Arbeit bietet hierfür eine gute Gelegenheit. Man wird hier in der Regel sehr gut betreut. Und wenn die Betreuer sehen, dass die Arbeit den Studierenden Spass macht und sie engagiert arbeiten, macht auch den Betreuen die Betreuung viel mehr Spass und sie werden sicher viele zusätzlich Anregungen liefern. Zuweilen würde ich mir etwas mehr Engagement seitens der Studierenden wünschen. Zu lernen, wie sinnvoll es ist, sich selbständig und engagiert mit einer Aufgabe zu befassen, wird prägend sein für alles, was später noch kommt.

 

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© 2012 ETH Zurich | Imprint | 9 October 2006
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