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Warum haben Programme Fehler? Wie können Fehler in der Software vermieden werden? Prof. Peter Müller zeigt in seiner Vorlesung "Konzepte Objektorientierter Programmierung", wie man einen guten Programmierstil entwickeln kann. Darüber und über die vertiefte Auseinandersetzung mit einzelnen Fachgebieten spricht er mit Ruth Bürkli.
02. Dez. 2004
Welches ist Ihr Hauptinteressensgebiet in der Forschung?
Ich beschäftige mich in erster Linie damit, wie man nachweisen kann, dass Programme korrekt sind. Dabei geht es im Wesentlichen um die Entwicklung von Techniken, mit denen beschrieben werden kann, wie sich ein Programm verhalten sollte, und um die Entwicklung von Methoden, mit denen mittels mathematischer Beweisführung gezeigt werden kann, dass das Programm tatsächlich das tut, was von ihm erwartet wird.
Halten Sie auch eine Vorlesung über dieses Gebiet?
Meine Hauptvorlesung ist „Konzepte Objektorientierter Programmierung“, die ich in diesem Semester wieder lese. Das Thema dieser Vorlesung ist deutlich breiter als mein Forschungsgebiet. Es geht darum, die ganze objektorientierte Programmierung in ihrem Kern darzustellen. Dabei achte ich darauf, den Studierenden zu vermitteln, wo die kritischen Punkte sind – weshalb Software fehlschlägt, warum Programme Fehler haben und wie man programmieren sollte, um Fehler zu vermeiden. Damit möchte ich das theoretische Verständnis ebenso verbessern wie den Programmierstil.
In welchem Semester sind Ihre Studierenden?
Die sind im 5. und 7. Semester, also im Fachstudium.
Und haben sie Spass an Ihrer Vorlesung?
Den Studierenden macht es Spass, mit kniffligen Beispielen zu arbeiten, die den Intellekt herausfordern.
Ich denke, ja! Wir haben die Vorlesung jetzt zum zweiten Mal in Folge angeboten. Im ersten Jahr hatten wir ungefähr 70, in diesem ungefähr 90 Studierende. Die Resultate der Evaluierung der ersten Durchführung waren sehr positiv. Mein Eindruck ist, dass es den Studierenden Spass macht, mit fehlerträchtigen, kniffligen Beispielen zu arbeiten, die den Intellekt herausfordern.
Wie sehen Sie dieses Thema im Gesamtstudium? Denken Sie, dass das eine wichtige Vorlesung ist?
Informatik deckt mittlerweile so ein breites Spektrum ab, dass es eigentlich kaum noch eine Vorlesung im Fachstudium gibt, die ein absolutes Muss ist oder ohne die man kein richtiger Informatiker werden kann. Allerdings braucht jeder, der sich mit Programmierung und Software Engineering beschäftigt, ein solides Wissen in objektorientierter Programmierung. Hier sehe ich meine Vorlesung als eine der zentralen Vorlesungen. Sie ist auch Fokus-Fach im Master Studiengang für Software Engineering
Was halten Sie für besonders wichtig im Informatikstudium?
Darüber kann ich keine allgemeingültige Aussage machen. Nachdem man sich ein solides Grundwissen angeeignet hat, sollte man sich Themen suchen, die man vertieft studieren und auf die man sich spezialisieren möchte. Ich würde im Fachstudium die Tiefe der Breite vorziehen, da man sich ein wirklich fundiertes Verständnis nur aneignen kann, wenn man sich auf wenige Bereiche konzentriert.
Kann man im Grundstudium schon herausfinden, welche Themen einem am besten liegen?
Im Grundstudium erhält man sicher erste Hinweise, kann sich im 5. Semester eine breitere Basis verschaffen und das Wissen im Anschluss entsprechend vertiefen. Die wirklich tiefe Auseinandersetzung findet oft erst in den Semesterarbeiten und in der Masterarbeit statt.
Ist diese Spezialisierung nicht auch ein bisschen gefährlich?
Es geht um analytisches Denken und strukturiertes Vorgehen. Ob man sich diese Fähigkeiten durch eine vertiefte Auseinandersetzung mit Datenbanken, Software Engineering oder Compilerbau aneignet, ist eher sekundär.
Studierende müssen natürlich auch die beruflichen Perspektiven im Auge behalten. Wenn man in der Industrie das grosse Geld verdienen will, dann gibt es vielleicht Themen, die besser geeignet oder wichtiger sind als andere. Aber grundsätzlich glaube ich, dass die prinzipiellen Fähigkeiten, die man sich im Informatikstudium aneignet, auf alle Bereiche anwendbar sind: Es geht um analytisches Denken und strukturiertes Vorgehen. Ob man sich diese Fähigkeiten durch eine vertiefte Auseinandersetzung mit Datenbanken, Software Engineering oder Compilerbau aneignet, ist eher sekundär. Die Studienregeln hier an der ETH sorgen dafür, dass die Studierenden sich eine solide und breite Basis schaffen.
Warum soll man überhaupt Informatik studieren?
Es ist natürlich offensichtlich, dass man Informatik studieren sollte! Informatik prägt wie kaum eine andere Disziplin unser Leben. Die letzten 10 Jahre haben gezeigt, wie tiefgreifend Informatik die Gesellschaft verändert. Informatik ist neben Biologie das Thema, das mit angibt, wie unsere Welt in 50 Jahren aussehen wird. Ich finde es wichtig, ein gewisses Grundverständnis in diesem Bereich zu haben, um die Gesellschaft zu begreifen, in der wir leben, zu sehen, wo Visionen, Ideale und auch Probleme liegen. Es ist herausfordernd daran mitzuarbeiten, wie unsere Welt in der Zukunft aussehen wird.
Wie beurteilen Sie die Aussichten auf dem Arbeitsmarkt?
Der Arbeitsmarkt wird wahrscheinlich spezialisierter werden.
Die Phase, in der das Geld auf der Strasse lag und horrende Gehälter schon für Einsteiger bezahlt wurden, ist für die Informatik wahrscheinlich vorbei. Fachkräfte sind aber immer gesucht, und zumindest in Zentraleuropa scheint die Tendenz zu sein, dass es längerfristig deutlich weniger Studienabgänger als Arbeitsplätze gibt. Der Arbeitsmarkt wird wahrscheinlich spezialisierter. Gerade durch die Tendenzen des Outsourcing oder Offshoring werden hier immer weniger einfache Tätigkeiten ausgeübt, aber weiterhin wird es viele Aufgaben geben, die eine hohe Qualifikation erfordern. Das sind genau die Berufe, für die wir unsere Studenten hier an der ETH ausbilden. Ausserdem hat die Informatik den grossen Vorteil, dass sie ein wirklich internationales Fach ist. Wer die Bereitschaft mitbringt, ins Ausland zu gehen, vergrössert seinen Arbeitsmarkt enorm.
Macht ein Informatikstudium Spass?
Meine persönliche Erfahrung war die, dass ich mich die ersten 4 Semester zwingen musste, mich durch die ganzen Grundlagen zu arbeiten. Es hat sich aber später gezeigt, dass es sinnvoll ist, so viel Wert auf eine solide Basis zu legen. Nach den ersten 4 Semestern waren die Inhalte wirklich sehr spannend, und ich hatte in den allermeisten Fächern sehr viel Spass.
Man hört oft die Kritik, die ETH sei so „verschult“, man hätte zu wenige Freiheiten hier. Teilen Sie diese Kritik?
Ich finde, dass das Verhältnis zwischen Pflichtvorlesungen und Vertiefungsvorlesungen gut ausgewogen ist. Der Fächerkanon, der vorgeschrieben ist, hat den enormen Vorteil, dass man in allen anderen Vorlesungen darauf aufbauen kann. Dem gegenüber stehen mittlerweile fast 80 Vertiefungsvorlesungen, aus denen man frei auswählen kann. Diese Vertiefungsvorlesungen lassen meines Erachtens genügend Spielraum, um sich wirklich zu spezialisieren.
Denken Sie, die Studierenden sind überfordert?
Sie haben sicherlich ein strenges Programm hier an der ETH! Die Studierenden müssen wirklich viel Zeit für ihr Studium aufwenden. Ich glaube aber, dass wir sehr gute Studierende haben, die diesen Anforderungen auch gerecht werden. Ein Studium soll auch eine Herausforderung sein.
Warum gibt es so wenige Frauen im Informatikstudium?
Das ist eine schwierige Frage. Problematisch ist sicher das Bild des Informatikers als jemand, der einsam die Nächte hinter dem Rechner verbringt und programmiert und sich von Cola und Chips ernährt. Dieses Bild schreckt nicht nur Frauen ab, glaube ich. Man muss versuchen, mehr in den Vordergrund zu stellen, dass sich Informatiker sehr viel mit Kommunikation beschäftigen, dass eine der Haupttätigkeiten das Kommunizieren und Präsentieren ist. So könnte man ganz andere Gruppen von Maturanden ansprechen, insbesondere auch Frauen. Es ist auch wichtig, dass es Rollenvorbilder für Mädchen gibt, die zeigen, dass Frauen in der Informatik sehr viel Freude und Erfolg haben und auch, dass sich ein Informatikberuf mit dem Privatleben vereinbaren lässt.
Warum sind Sie Informatiker geworden?
Ich habe eigentlich kaum wirklich jemals Alternativen in Erwägung gezogen. Ich habe sehr früh angefangen zu programmieren. Mich hat dabei vor allem das abstrakte Denken gereizt, ohne durch allzu viele Regeln oder Naturgesetze eingeschränkt zu sein. Diese Begeisterung hat nie nachgelassen, so dass ich nie Zweifel daran hatte, was ich studieren sollte. Die Vorstellungen, die ich am Anfang hatte, waren aber teilweise nicht ganz realistisch.
Was hatten Sie sich unter Informatik vorgestellt?
Ich hatte auch die Vorstellung, dass Programmieren und Hacken im Vordergrund steht. Dass es in der Informatik im Wesentlichen darum geht, extrem komplexe Systeme zu entwickeln und zu beherrschen, wusste ich nicht. Aber zum Glück hat sich herausgestellt, dass es trotzdem das Richtige für mich war.
Gibt es Dinge, die Sie besonders freuen oder ärgern im Unterricht?
Ärgern musste ich mich bisher nicht. Mir macht die Lehre ausserordentlich viel Spass und ich geniesse den Umgang mit den Studierenden. Besonders wichtig ist mir dabei, etwas von meiner Begeisterung für meine Themen weiterzugeben. Das scheint bisher gut zu funktionieren. Es gibt reges Interesse an meinen Vorlesungen, Semester- und Masterarbeiten.
Haben Sie ein Schlusswort für die Studierenden, das Sie ihnen mit auf den Weg geben möchten?
Die Fähigkeit, einen sauber strukturierten und klaren Vortrag zu halten, ist für jede Form von Karriere unabdingbar.
Den einen Punkt habe ich schon angesprochen: Ich denke, es ist wichtig, dass man sich einige wenige Themen herausgreift und versucht, diese wirklich tief zu durchdringen. Und der zweite Punkt, der mir am Herzen liegt, ist, dass man sich neben allen technischen Details, mit denen man sich hier beschäftigt, andere Kompetenzen nicht vernachlässigen sollte. Nach meiner Erfahrung ist zum Beispiel die Fähigkeit, einen sauber strukturierten und klaren Vortrag zu halten, für jede Form von Karriere einfach unabdingbar.
Herr Müller, wir danken Ihnen für das Gespräch.
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