printlogo
http://www.ethz.ch/index_EN
Department of Computer Science
 
print
  
English Deutsch

Prof. Walter Gander

This page is available in German only!

Prof
Prof. Walter Gander

Vorlesung "Wissenschaftliches Rechnen"

Wo liegen die Grenzen des Computers? Prof. Walter Gander betont im Gespräch mit Beate Anna Bernhard wie wichtig eine kritische Haltung ist.

04. Dezember 2003

Welches ist Ihr Hauptinteressensgebiet in der Forschung?

Das ist die "Numerische Lineare Algebra" und allgemein "Wissenschaftliches Rechnen".

Was ist das Thema Ihrer nächsten Vorlesung?

Im Zusammenhang mit der Umstellung des Studienplans halte ich in diesem und im nächsten Semester zum ersten Mal die "Lineare Algebra". Herr Gutknecht und ich teilen uns diese Vorlesung, d.h. er liest bis Weihnachten und ich lese nachher. Aber die Vorlesung, die ich regelmässig lese, ist das "Wissenschaftliches Rechnen".

Gibt es für Sie zwischen der Lehre und Ihre Forschungsinteressen einen Konflikt?

Nein, eigentlich nicht. Das geht ineinander über.

Sprechen wir über Ihre Vorlesung "Wissenschaftliches Rechnen". An welche Zielgruppe richtet sie sich?

Im Moment noch an die Studierenden des 4. Semester. Also an alle Informatikstudierenden. Diese Vorlesung ist der zweite Teil der Grundausbildung nach symbolischen und numerischen Rechnen. Das Konzept wurde bei der letzten Studienreform von1992/93 erstellt und ist seitdem gleich geblieben. Jetzt aber, im Zusammenhang mit Bachelor und Master wird sich einiges ändern. Wir werden die Vorlesung neu gestalten müssen, auch, weil uns weniger Stunden zur Verfügung stehen werden.

Und was ist der Nutzen dieser Vorlesung?

Nutzen? - Kann man überhaupt von Nutzen von Vorlesungen sprechen?
Nun für die Studierenden ist es sicher nützlich zu lernen, dass man mit dem Rechner Probleme lösen kann, die in der Technik und in den Naturwissenschaften auftreten. Man lernt auch zu verstehen, wie mathematische Software funktioniert.
Ich muss es vielleicht so sagen: Es gibt sehr viele mathematische Software, die kann man einfach auf ein Problem anwenden und die löst dann irgendetwas. Wenn man sie aber ohne Hintergrundwissen anwendet, dann macht man das meistens falsch. Mein Ziel in dieser Vorlesung ist nun, dass die Studierenden lernen, hinter solche Systeme sehen zu können. Sie sollen die Grenzen vorgeführt bekommen, dass man nicht alles mit dem Computer machen kann, es gibt Grenzen, und an diese sollen sie stossen. Sie sollen erfahren, dass der Computer, auch wenn man richtig programmiert, trotzdem falsch rechnen kann. Und diese Dinge müssen einem eben nachdenklich machen. Wir können nicht einfach alles, was aus dem Computer herauskommt, als bare Münze annehmen. Wir müssen kritisch sein. Weiter will ich aber auch zeigen, wie man z.Beisp. die Ausbreitung von Wärme modellieren, also eine Wärmeleitungsgleichung auf dem Computer tatsächlich lösen kann. Diese Programmsysteme sind riesig und in einer Vorlesung kann nicht alles behandelt werden. Deshalb gehe ich in ein paar Beispielen in die Tiefe und zeige, wie man so etwas richtig programmiert.

Warum soll man Informatik studieren?

Ich glaube, das ist ziemlich einleuchtend! Es gibt ja heute nichts mehr, was nicht einen Computer benötigt. Unser Alltag ist in jeder Beziehung durch Computer geprägt. Vom Schreiben bis hin zur Simulation. Oder denken wir an die Medizin! Gibt es dort noch einen Bereich ohne Computereinsatz? Jemand muss nun verstehen, wie diese Systeme gebaut werden. Der Schwerpunkt meiner Vorlesung liegt auf dem Systembau und nicht auf dem Bedienen von Windows-Programmen!

Welche Zukunftsperspektiven hat man mit einem Informatkstudium?

Wenn wir gute InformatikerInnen ausbilden können, haben diese immer gute Perspektiven, denn die Systeme werden gebraucht. Vielleicht finden sie keinen interessanten Job in der Schweiz, aber irgendwo auf der Welt werden sie ganz sicher gebraucht.

Wie sehen Sie die Entwicklung der Informatik mittelfristig? Wir haben in der Informatik weniger Erstsemestrige.

Also es ist ja so, ein Rückgang in der Wirtschaft beeinflusst auch die Zahl unserer Neueintretenden. Es gibt stellenlose diplomierte Informatiker, offenbar auch ETH diplomierte. Diese Krise in der Wirtschaft ist aber nicht nur bei uns. Im Sillicon Valley gibt es ebenfalls sehr viele arbeitslose Informatiker. Im Moment ist die kurzfristige Aussicht vielleicht etwas pessimistisch. Aber längerfristig sicher nicht. Es werden einfach immer InformatikerInnen gebraucht.
Dass die Studentenzahlen zurück gegangen sind, ist kein Nachteil. Ich würde eigentlich gerne sehen, wenn wir weniger Studierende nach dem ersten Vordiplom oder nach dem Assessmentjahr, - wie dies in Zukunft heissen wird - hätten, damit wir dann mit mehr guten durchstarten können.

Ist ein Informatikstudium spannend?

Das kann ich nicht beurteilen, ich bin jetzt nicht Student! Aber für mich war es immer spannend! Als ich studierte, konnte man noch nicht Informatik studieren, ich hatte die Wahl zwischen Maschinenengenieur oder Mathematiker. Ich habe mich dann für die Mathematik entschieden, bin aber – von meiner Neigung her - eigentlich ein Ingenieur. Das konstruktive Denken hat mich immer fasziniert wie auch Algorithmen. Als dann 1964 der erste Computer an die ETH kam, habe ich sofort umgeschwenkt, weil Programmieren ist eigentlich eine Ingenieurarbeit. Man macht eine Maschine, zwar nicht in Hardware, wie der Maschineningenieur, aber diese kleine Maschine in Form von Software kann man starten und sie macht etwas, sie produziert etwas für uns. Es ist das gleiche konstruktive Denken wie das der Maschineningenieure. Jetzt baue ich einfach abstrakte Maschinen, aber sie machen trotzdem etwas.

Also: Ist Informatik oder ein Informatikstudium etwas Kreatives?

Ja, sehr! Es ist sehr kreativ. Die Leute bauen Systeme, die nachher etwas tun, was man vorher nicht konnte. Die Systeme haben zwar Fehler, aber das ist ein anderes Problem.

Wie wichtig ist Mathematik im Informatikstudium? Müssen die Studenten gute Mathematiker sein?

Also ich glaube, unsere Ausbildung hier an der ETH hat sich von anderen Informatikausbildungen in der Welt dadurch ausgezeichnet, dass sie sehr mathematikorientiert war. Und das war eine Stärke! Immer mehr ist eine solide Basis, die die Mathematik liefert, beim logischen und beim algorithmischen Denken wichtig. Die Systeme werden immer komplexer. Wenn man nur an die Graphik denkt, an die Darstellung der Flächen, usw. da braucht es einfach vielmehr Mathematik. Meiner Meinung nach ist sie für die Informatikausbildung wichtig. Wir wollen Systeme bauen und für Systembau brauchen wir Grundlagen.

Warum studieren so wenige Frauen Informatik?

Ach, das ist eine uralte Geschichte. Ich kann hier nur meine wiederholen! Als ich 1991das erstemal Vorsteher war, habe ich mich sehr bemüht, die Frauen für das Informatikstudium zu interessieren. Ich hatte an alle Gymnasien der deutschen Schweiz geschrieben, wir möchten die Gymnasiastinnen zu einem Informationsnachmittag einladen und ihnen zeigen, was Informatik ist und dass das auch ein ausgezeichneter Beruf für Frauen sein kann.
Teilzeitarbeit ist gut möglich wie auch das Arbeiten von zu Hause aus und so fort.
Meine beiden Töchter gingen damals noch hier in Zürich ins Gymnasium. Ich hatte ihnen gesagt: Ihr kommt auch, und zwar je mit einer Freundin. Die Anmeldungen liefen dann aber sehr harzig und da viele Buben anriefen, haben wir beschlossen auch Buben zu akzeptieren, aber Vorrang behielten natürlich die Frauen.
Ja, als in dann zu der Veranstaltung in den GEP-Pavillon kam, sassen da vielleicht 10 Mädchen und 50 Buben. Neben meinen beiden Töchtern und ihren Freundinnen waren also noch 6 Mädchen gekommen – aus der ganzen Deutschschweiz! Das war meine erste Erfahrung mit der Frauenförderung. Ich verstehe eigentlich nicht, dass die Frauen nicht das Informatikstudium wählen. Man muss wohl sehr früh anfangen, um die Frauen für Informatik zu interessieren. Wahrscheinlich sollte man schon in der Primarschule oder im Kindergarten den Frauen auch die Gelegenheit geben, Technisches zu tun.

Welche Frage oder Äusserung einer Studentin/eines Studenten hat Sie kürzlich besonders gefreut, überrascht resp. geärgert?

Also überrascht hat mich, dass einige Mitglieder des neuen VIS-Vorstandes "Wissenschaftliches Rechnen" als Hassfach bezeichnet haben. Das kann man in der Novemberausgabe 2003 von Visionen nachlesen. Dabei habe ich bei den Studenten im letzten Sommer guten Erfolg gehabt. Ich glaube, ich bin als bester der 4-semestrigen Dozenten bewertet worden.

Was ist den an dem Fach so speziell??

Es scheint, dass die Studierenden es als zu schwierig empfinden.

Möchten Sie zum Abschluss gegenwärtigen und zukünftigen StudentInnen noch etwas sagen - mit auf den Weg geben?

Sie sollen das studieren, was ihnen am meisten Spass macht. Dann wird man automatisch gut!

Herr Professor Gander, vielen Dank für dieses Gespräch.

 

Wichtiger Hinweis:
Diese Website wird in älteren Versionen von Netscape ohne graphische Elemente dargestellt. Die Funktionalität der Website ist aber trotzdem gewährleistet. Wenn Sie diese Website regelmässig benutzen, empfehlen wir Ihnen, auf Ihrem Computer einen aktuellen Browser zu installieren. Weitere Informationen finden Sie auf
folgender Seite.

Important Note:
The content in this site is accessible to any browser or Internet device, however, some graphics will display correctly only in the newer versions of Netscape. To get the most out of our site we suggest you upgrade to a newer browser.
More information

© 2012 ETH Zurich | Imprint | 27 July 2006
top