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Prof. Markus Bläser

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Prof. Markus Bläser

Vorlesung: Approximation: Theorie und Algorithmen

Für Prof. Markus Bläser hat die Theorie ästhetisch schöne Sätze und Beweise, die an Kunstwerke erinnern. Darüber und über die Bedeutung der Mathematik im Informatik-Studium spricht er im Interview mit Ruth Bürkli.

01. März 2005

Welches sind Ihre Forschungsinteressen?

Das ist zum einen die Komplexitätstheorie. Hier geht es darum, Berechnungsprobleme nach ihrer Schwierigkeit zu klassifizieren. Solche Untersuchungen beziehen sich typischerweise auf Rechenzeit oder Speicherplatzbedarf. Eine zentrale Rolle spielen obere und untere Schranken. Im allgemeinen zeigt man relative untere Schranken, die meistens auf komplexitätstheoretischen Vermutungen basieren. Auf der anderen Seite beschäftige ich mich aber auch mit Algorithmen, also oberen Schranken.

Welche Vorlesung halten Sie zu diesem Thema?

Im letzten Sommersemester hielt ich die Vorlesung „Pseudozufälligkeit und Derandomisierung“. Hier ging es um eine bestimmte Ressource, nämlich den Zufall, und dieser steht für Berechnungen zur Verfügung. In der Vorlesung haben wir uns damit beschäftigt, wie notwendig bzw. nützlich dieser Zufall wirklich ist.

Das klingt nach einem schwierigen Stoff.

Ja, das ist richtig. Es war eine sehr anspruchsvolle Vorlesung für Studierende, die schon ein sehr breites Wissen haben.

Was lesen Sie im kommenden Sommersemester 2005?

Da lese ich „Approximation: Theorie und Algorithmen“. Wir beschäftigen uns dabei mit Problemen, die in NP sind und von denen man nicht weiss, wie man sie exakt effizient lösen kann. Wir versuchen, diese approximativ zu lösen und werden Berechnungsaufgaben danach klassifizieren, wie gut man sie approximieren kann.

Was haben die Studierenden davon, wenn sie in diese Vorlesung kommen?

Sie werden lernen einzuschätzen, wie schwierig Probleme sind, und sie werden viele Entwurfsmethoden und Techniken zur Entwicklung solcher Algorithmen kennenlernen. Es ist also eine Vorlesung, die auch in anderen Teilgebieten nützlich sein wird.

Kommen besonders Mathematik-Begeisterte in diese Vorlesung?

Ich denke schon. Ohne Interesse an Mathematik wird man an der Vorlesung sicher auch keine Freude haben. Man braucht gute mathematische Grundlagen, die im Grundstudium vermittelt werden.

Wenn einem die Mathematik keinen Spass macht, dann hat man an Informatik wahrscheinlich auch nicht so viel Spass. Ein grosser Teil der Informatik ist Mathematik.

Ist Mathematik generell wichtig für das Informatik-Studium?

Wenn einem die Mathematik keinen Spass macht, dann hat man an Informatik wahrscheinlich auch nicht so viel Spass. Ein grosser Teil der Informatik ist Mathematik. Man kann sich schon irgendwie durchbeissen, wenn einem die Mathematik nicht liegt, aber vielleicht ist in diesem Fall das Informatikstudium nicht wirklich das Richtige.

Wichtig ist, den Studierenden ein Informatik-Denken, ein algorithmisches Denken mitzugeben und Methoden, die auch auf lange Sicht Bestand haben.

Worauf sollte in der Lehre besonderes Gewicht gelegt werden?

Wichtig ist, dass wir das Denken und den Geist schulen. Damit meine ich, dass den Studierenden ein Informatik-Denken, ein algorithmisches Denken mitgegeben werden sollte, und Methoden natürlich. Informatik ist ein sehr schnellebiges Gebiet. Techniken ändern immer wieder, neue kommen hinzu. Darum ist es wichtig, ein breites, allgemeines Spektrum von Methoden zu vermitteln und Denkweisen, die auch auf lange Sicht Bestand haben.

Warum soll man überhaupt Informatik studieren?

Ganz bestimmt, weil es Spass macht! Ansonsten ist die Informatik natürlich eine sehr interessante Wissenschaft und diejenige, in der zur Zeit sehr viel passiert. Viele Dinge sind im Fluss. Informatik wird unser Leben auch in Zukunft sehr stark prägen. In ihr steckt eine grosse Dynamik.

Denken Sie, dass Informatikerinnen und Informatiker auch gute Aussichten auf dem Arbeitsmarkt haben?

Informatiker, die eine gute Informatik-Ausbildung haben, bekommen auch einen guten Job. Diese haben keine Probleme auf dem Arbeitsmarkt, davon bin ich überzeugt. Probleme haben eher Quereinsteiger, die sich vor ein paar Jahren umgeschult haben. Aber für die, die eine gute Ausbildung haben und die die Grundlagen gelernt haben, sieht der Arbeitsmarkt nach wie vor sehr gut aus.

Dann hat es nach wie vor auch Sinn, Informatiker auszubilden?

Auf jeden Fall!

Die Informatik gewinnt immer mehr an Einfluss, auch in anderen Wissenschaften. Ich denke, sie geht in Richtung Grundlagenwissenschaft wie die Mathematik.

Wie wird sich die Informatik generell weiterentwickeln in der Zukunft?

Die Informatik gewinnt immer mehr an Einfluss, auch in anderen Wissenschaften. Ich denke, sie geht in Richtung Grundlagenwissenschaft wie die Mathematik – sie wird einfach überall gebraucht. Die Informatik wird immer breiter und facettenreicher. Ich glaube, dass ihr Einfluss auf die Gesellschaft weiterhin wachsen wird.

Sie sind ja Theoretiker. Das klingt ziemlich trocken. Ist es das?

Es kommt darauf an, was man mag! Auch die Theorie hat sehr schöne - und damit meine ich auch ästhetisch schöne – Sätze und Beweise, die an Kunstwerke erinnern. Man muss es natürlich auch verstehen, um die Schönheit oder das Kunstwerk sehen zu können. Es gibt Beweise, die ein bisschen wie Kathedralen gebaut sind.

Dann halten Sie die Informatik auch für ziemlich kreativ?

Ja, auf jeden Fall! Die Informatik ist auf der intellektuellen Ebene eine äusserst kreative Disziplin.

Warum denken Sie studieren so wenige Frauen Informatik? Frauen haben doch eher Mühe mit Technik, aber so technisch ist die Informatik doch gar nicht.

Auf diese Frage habe ich keine plausible Antwort, und für mich gibt es keinen plausiblen Grund, weshalb Frauen die Informatik nicht mögen sollten. Es liegt bestimmt nicht an den intellektuellen Fähigkeiten. Ich kann mir nur vorstellen, dass schon im Kindesalter die Weichen gestellt werden. Wenn man etwas an der Situation ändern will, dann muss man wahrscheinlich dort einsetzen.

Die ETH hat einen sehr guten Ruf. Sehen Sie sie auch als eine Top-Institution?

Ganz sicher. Es sind sehr viele gute Forscher hier, die Arbeitsbedingungen sind optimal und ermöglichen optimales Arbeiten. Ich selbst bin hierher gekommen, weil die ETH für mich und für mein Gebiet eine der Spitzen-Hochschulen Europas ist. Und meine Erwartungen habe sich auch voll erfüllt. Wir haben auch eine sehr gute Atmosphäre innerhalb unseres Instituts, es ist ausgezeichnet zum Arbeiten hier. Dennoch werde ich vermutlich nicht mehr sehr lange hier bleiben. Als junger Wissenschaftler bin ich immer noch auf Wanderschaft.

Hat die ETH auch gute Informatik-Studenten?

Ich denke, die Promotionsstudenten sind exzellent. Viele von Ihnen kommen aus dem Ausland‚ sehr gute Leute aus ganz Europa und auch aus Übersee. Unter den Master-Studenten gibt es ebenfalls sehr gute, aber auch durchschnittliche.

Weshalb sind Sie Informatiker geworden?

Ich war schon immer sehr naturwissenschaftlich und mathematisch interessiert. Nach dem Abitur – ich habe in Bonn das Abitur gemacht – stand ich vor der Wahl Mathematik, Physik oder Informatik. Ich entschied mich aus keinem besonderen Grund für Informatik, mit Mathematik im Nebenfach. Ich überlegte mir dann eine Zeitlang, in die Mathematik zu wechseln. Aber ich habe es nicht getan und habe es auch nicht bereut! Ich arbeite jetzt auch auf dem Grenzgebiet zwischen Mathematik und Informatik.

Empfanden Sie das Studium als schwierig?

Ja und nein. Die ersten beiden Semester erforderten immensen Aufwand. Die Umstellung vom Gymnasium auf die Universität machte die Sache auch nicht einfacher. Aber man muss sich einfach durchbeissen. Das harte Arbeiten hat sich aber ausbezahlt. Später empfand ich das Studium als nicht mehr so schwierig.

Gibt es etwas, das Sie unseren Studierenden besonders ans Herz legen möchten?

Das wichtigste ist, dass man im ersten und zweiten Jahr gut mitmacht und wirklich sehr hart arbeitet. Hier werden die Grundsteine für den späteren Erfolg gelegt. Die Zeit und Kraft, die man darin investiert, lohnt sich auf jeden Fall. Man kann später nur davon profitieren.

Herzlichen Dank für das Gespräch.

 

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© 2012 ETH Zurich | Imprint | 30 May 2006
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