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Prof. Armin Biere

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Prof. Armin Biere

Vertiefungsfach-Vorlesung "Formale Verifikation"

Forschungsgruppe "Formale Methoden"

Was sollten die Studierenden während dem Studium bedenken?
Prof. Armin Biere gibt einen Hinweis und beantwortet Fragen, u.a. zu seiner Vorlesung "Formale Verifikation", in einem Interview mit Beate A. Bernhard.

03.Juli 2003

Welches ist Ihr Hauptinteressensgebiet in der Forschung?

Mein Hauptforschungsgebiet sind die "Formalen Methoden". Diese werden dazu benutzt, Fehler zu finden, um die Systeme sicherer - und hoffentlich in Zukunft auch schneller und effizienter - zu entwickeln.

Welche Vorlesungen und Seminare bieten Sie im kommenden Herbstsemester an? Können Sie uns die Besonderheiten einer dieser Vorlesungen oder Seminare aufzeigen?

Ich biete eine Vertiefungsfach-Vorlesung "Formale Verifikation" - dem Thema meiner Forschung - und zwei Fachseminare an.

In der Vorlesung zeige ich an nur einem Beispiel, an einer Methode, wie man Informatik-Systeme verifiziert. Ich gebe einen Einblick, wie so etwas funktioniert. Dabei geht es um algorithmische Aspekte, wie man Computerprogramme baut, also nicht so sehr, wie man sie anwendet. Eigentlich ist dies ein Themenblock, der eine Vorlesung mehr als sprengt und deshalb muss man sich auf eine Methode konzentrieren. Bei mir ist es die SAT-Methode "Satisfiability Solving", die vor allem für die Hardware-Verifikation eingesetzt wird, aber man kann sie auch für die Software-Verifikation einsetzen. Das ist ein sehr spannendes Gebiet, in dem ich die neuesten Entwicklungen aufzeige. Gegen Schluss werde ich noch das "Model Checking" einführen - mein eigentliches Forschungsgebiet - wo es dann um reine Methoden geht.

An wen richtet sich dieses Lehrangebot?

An die Studierenden des 7. Semesters. Meine Vorlesung ist eine Focus-Vorlesung im Software Engineering Major. Alle, die an diesem Major Interesse haben, sind angesprochen und natürlich die, die merken, dass "Formale Methoden" immer wichtiger werden.

Warum ist Ihre Vorlesung im Studium so wichtig?

Nun, im Hinblick auf die Zukunft ist es wichtig, dass die Studentinnen und Studenten sich diese Dinge einmal anschauen. Es ist abzusehen, dass die "Formalen Methoden" immer wichtiger werden und man kann sogar davon ausgehen, dass in Zukunft, vielleicht in fünf bis zehn Jahren sehr viele Systeme mit "Formalen Methoden" gebaut werden. In der Hardwareindustrie ist es heute schon so und in der Softwareindustrie wird dies noch mehr der Fall sein. Bisher kamen die Studierenden mit diesem Thema nur wenig in Kontakt, da bietet sich meine Vorlesung natürlich an.

Über welches Thema würden Sie gern eine Vorlesung halten, das im Vorlesungsverzeichnis noch nicht angeboten wird?

Ich denke über das, was ich in den Industriekursen schon sehr erfolgreich gemacht habe. Es geht darin ums Testen, um Fehler zu finden, um die Qualität zu steigern, also klassischen Methoden aus dem Software Engineering. Das gibt es noch nicht an der ETH und wäre für die Praxis aber sehr wichtig. In einer Vorlesung könnte man dann in die Tiefe gehen.

Warum soll jemand Informatik studieren? Ist es ein spannendes Studium?

Ich meine, Herr Nievergelt hat das gut in seiner Abschiedsvorlesung gesagt: die Informatik wird die Wissenschaft des 21ten Jahrhunderts werden - und das ist sicher schon Grund genug! Es sieht so aus, dass Informatik unser ganzes Leben durchdringen wird - und deshalb ist es ein sehr spannendes Gebiet, nicht nur eins, das sehr profitabel ist.

Leider gibt es das Phänomen, dass die Leute oft denken, man hätte in der Informatik schon alles herausgefunden. Aber ich bin mir sicher, es gibt noch viel, viel mehr. Vor zehn Jahren, als ich anfing zu studieren, war einfach nicht abzusehen, dass das Ganze explodiert und wahrscheinlich wird es wieder solche Explosionen geben - ja, ich bin mir absolut sicher, das wird es nochmals geben.

Ist Informatik Ihrer Meinung nach kreativ?

Ja, sehr! Das ist auch ein Grund, warum man Informatik studieren sollte: es ist eines der spannendsten und am schnellsten sich ändernden Gebiete. Ständig geschieht so viel Neues, weil dort kreative Leute tätig sind, die immer wieder neue Dinge herausfinden. Natürlich sind diese technischer Art, aber wenn die Informatik in die Gesellschaft hineinstrahlt und diese dann kreativ mit der Informatik umgeht wie z.B. die Künstler mit ihrer "Kunst in den neuen Medien", passiert dies ja im Bereich der Informatik!

Was könnte der Grund sein, warum so wenig Frauen Informatik studieren? Und warum sollte eine Frau dies Studium wählen?

Da ist einmal dieses Bild von dem Programmierer, der alleine vor dem Computer sitzt!

Dann habe ich noch eine persönliche These: Die Informatik ändert sich so schnell, mit sehr grossen Ups and Downs. Augenblicklich hat man bis zu 10% Arbeitslose in gewissen Bereichen, vor einem Jahr war es noch so, dass man nicht genügend Informatiker ausbilden konnte. Meinem Gefühl nach entsprechen diese starken Änderungen, der in der Einstellung eher konservativen Haltung der Frau - wenn es um Lebensdinge geht - nicht.

Männer sind viel draufgängerischer, deshalb ist die Informatik natürlich nicht ganz so gut für Frauen, die dem Klischee-Bild entsprechen, geeignet. Aber z. B. sind viele Informatiker in Beratungsgeschäften tätig. In diesen Positionen braucht es ein grosses Mass an sozialer Kompetenz, die Programmierfähigkeit ist da nicht entscheidend, und gerade dort, in der Beratung, würden sich Frauen auszeichnen.

Welche Frage oder Äusserung eines Studenten/einer Studentin hat Sie kürzlich besonders gefreut, überrascht resp. geärgert?

Ja, vor kurzem hat mich eine Studentin in einer Vorlesung etwas gefragt, - vielleicht hatte ich das etwas schnell vorgestellt - auf jeden Fall hatte sie es nicht verstanden. Ich konnte ihr dann mit zwei Sätzen helfen. Sie sagte darauf: "Man versteht es ja doch, wenn man fragt. Man muss halt nur fragen!"

Was denken Sie über die ETH als Forschungszentrum?

An der ETH schätze ich die Freizügigkeit und das Vertrauen, das die Leitung auf Departements- und auch auf ETH-Ebene den einzelnen Professoren schenkt. Es ist sehr angenehm, wenn man als Professor grossen Handlungsspielraum hat, dass kein Mikro-Management gemacht wird. Dies kenne ich von nirgendwo her.

Möchten Sie den gegenwärtigen und/oder den zukünftigen Studierenden zum Abschluss etwas Spezielles sagen?

Wie schon gesagt, in der Informatik gibt es Ups and Downs, Jahrgänge mit sehr vielen und dann wieder sehr wenigen Studierenden. Dabei habe ich - meine Kollegen vielleicht auch - schon festgestellt, dass, wenn so viele Leute zusammen sind, es den Effekt gibt, dass die meisten Studentinnen und Studenten versuchen, fächermässig in die Breite zu gehen, um so das Studium möglichst effizient anzugehen. Es leidet dadurch das Interesse an der Tiefe, an speziellen Informatikthemen. Ich würde den Studierenden empfehlen, auch ein wenig in die Tiefe zu gehen - sich ein Gebiet herauszusuchen und dort wirklich vorwärts zu gehen. Vielleicht wird dies mit dem Bachelor und Master wieder gefördert, es ist aber jetzt nicht so.

Herr Biere, besten Dank für dieses Interview.

 

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