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Text: Art Clay
GoingPublik (G_P = 1.5) ist ein Erkundungsprojekt für drei Posaunen spielende Media-Performer, die sich den Raum, in dem sie sich bewegen, musikalisch erschliessen und für das Publikum akustisch und visuell erfahrbar machen. Jeder Performer hat eine vorgegebene Route, sein Instrument zeichnet den individuellen Weg durch ein vorab definiertes Gebiet in Tönen nach. Spontane Erlebnisse, die den Performern auf ihrem Weg widerfahren, greifen sie musikalisch auf.
Die Umsetzung der visuellen Wahrnehmung in akustische Signale wird durch ein ‚Echtzeit-Partitur-System’ ermöglicht, das aus einem QBIC Wearable Computer und der kompakten AOS Betriebssoftware besteht. Beide Bestandteile, die für das System wichtig sind, wurden an der ETH Zürich entwickelt und während der Zusammenarbeit mit dem Künstler speziell für dieses Projekt adaptiert. Geographische Koordinaten, die mithilfe des Global Point System erfasst werden, erzeugen eine elektronische Spielpartitur abhängig von Computer-Algorithmen und legen sowohl den Inhalt der Komposition als auch die Spielweise für den Interpreten fest.
Die Richtung der Komposition entspricht im wahrsten Sinne dem jeweiligen Wanderweg der drei Posaunisten: Den Parametern von Start- und Wegekoordinaten auf der Nord-, Süd-, West- und Ostachse. Je weiter sich ein Interpret vom Startpunkt (z.B. Theaterplatz Basel) entfernt und näher zu einem der Endpunkte (z.B. am Rande der Altstadt) gelangt, desto mehr ändert sich seine Spielweise in Lage, Tempo, Tonfarbe etc. Somit erlebt das Publikum eine immer wieder variierende Vielfalt von Klangereignissen, die in Abhängigkeit von den verschiedenen Orten stehen, an denen sich die drei Performer aufhalten.
Eine 'Seite' der EchtzeitPartitur, die für G_P=1.5 benutzt wird, ist in der HMD (Display-Brille) zu sehen, die die drei Performer tragen. Die Partitur ist das Resultat eines 'Mixed-Reality' Konzepts. Das heisst, dass es durch die Verwendung einer 'see-through'-HMD möglich ist, Bilder von der Umgebung, in welcher sich der Performer gerade befindet, aufzunehmen und als Teil der Partitur zu integrieren. Zwei unabhängige Systeme von Vektoren, die vom QBIC Wearable Computer erstellt und moduliert werden, werden auf die Bilder überlagert, um eine kalkulierbare und reiche Interpretation der spontanen Bilder durch 'gelenkte Improvisation' zu ermöglichen.
Oberhalb des Partiturfensters erscheinen eine Stoppuhr, um die Performancedauer zu regulieren, und die 'Aktion-Icons'. Die Bedeutung eines jeden Icons ist einzigartig und ihre Interpretation von den Interpreten abhängig. Alle Icons gehören einer von drei Gruppen, genannt die GoGroup, die StopGroup, und die ModGroup, an. Diejenigen der Go- und Stop-Groups erscheinen je nach der Aktivität der Performer, und diejenigen der ModGroup je nach Richtungswechsel, die der Performer beim Gehen vornimmt.
Die vertikalen und horizontalen Linien formen zusammen eine Spielmatrize. Die etwas dickere blaue Linie, genannt ConductingLine, fährt durch das Fenster von links nach rechts in einer Geschwindigkeit, die abhängig ist vom Abstand zwischen jeglichen zwei horizontalen Linien, zwischen denen die ConductorLine sich befindet. Je grösser der Abstand, desto schneller muss sie durch die Fläche fahren.
Unterhalb des Partiturfensters erscheinen die x- und y-Koordinaten, die vom GPS-Empfänger kommen und den Abstand des Performers von einem im voraus definierten 'Ausgangspunkt' angeben, sowie Begriffe wie 'Work', 'Hurry', 'Relax' oder 'Rest', um die Geschwindigkeit des Gehens den Performern wiederzugeben. Ein Durchschnittswert, der auf einem 30" Zeit-Fenster basiert, kann links in einer graphischen Darstellung gelesen werden.
Um den Performern ein Training zu ermöglichen, wurde ein Simulationsprogramm entwickelt, dank dem sich jeder Performer an das Konzept einer von Computern gelenkten Improvisation gewöhnen kann. Die 'Sprache' des Perfomers (oder, wie in der Musik gesagt wird, der 'persönliche Stil') und die Sprache des Computers (gemeint ist dessen 'Sturheit' ) sollen sich gegenseitig ergänzen durch die von Komponisten gesetzten Regeln, die in Hard Code von einem Programmierer gesetzt worden.
Das MappingWindow enthält alle benötigten Funktionen, um das Simulationsprogramm anzuwenden. Ein Kartenausschnitt von der Stadt, in der die Performance stattfindet, bildet den Zentralarbeitsplatz des Programms. Das Menü, das oberhalb des Stadtkartenausschnittes zu sehen ist, dient als Bedienungsfläche für das Simulationsprogramm. Nachdem ein Kartenausschnitt ausgewählt wurde, erlaubt das Simulationsprogramm dem Performer, mit einem Klick auf die Menutaste 'Record' mit der Maus eine Route direkt auf der Karte zu zeichnen. Der Performer hat die Wah zwischen drei verschiedenen Farben, mit denen er drei verschiedene Wege zeichnen kann, um sich für verschiedene Routen vorzubereiten.
Nachdem er die Aufzeichnung der Route mit der 'Range"-Taste selektiert hat, kann er mit einem Klick innerhalb der markierten Fläche die Länge seiner Route kalkulieren lassen und das Programm für das Abspielen bereit stellen. Das Drücken der Taste 'Play' spielt die Route ab. Das Abspielen startet mit dem ersten gezeichneten Punkt und geht in einem gemächlichem Tempo weiter in die Richtung, in der die Route vorgezeichnet wurde. Ein rotes Markierungskreuz stellt die Bewegung dar. Die Bewegung des Kreuzes über die Route wird zuerst für die Performer im Matrixfenster eine Bedeutung bekommen. Hier werden die Postionen der vertikalen und horizontalen Linien der Matrizen durch die Bewegung determiniert. Der Performer kann mit demTraining beginnen.
Der QBIC ist ein tragbares Computersystem, das aus einem X-Scale-Prozessor und einer Anschlusserweiterung für die Verbindung mit entsprechendem Zubehör besteht. Es ist in ein hoch ergonomisches Gürteldesign integriert. Die Funktion und Flexibilität des Systems erlaubt die Verbindung zu kabellosem Bluetooth, USB-Steckern, VGA und serialen Zubehörteilen. Die Systemsoftware ist extrem kompakt, so dass es von einer Flashkarte gestartet werden kann. G_P=1.5 verwendet zwei Sensor-Inputs, einen 3d-Kompass und ein GPS-Modul. Die Information, die zu dem Prozessor gelangt, wird von einem speziell angefertigten Programm verarbeitet, um die Parameter der Echtzeitpartitur zu generieren und zu determinieren. Der zentrale Prozessor wird mithilfe eines Mobiltelefons via Bluetooth kontrolliert. Es ist daher für den Performer oder für irgend eine andere Person an irgend einem anderen Ort auf diesem Globus möglich, das Computersystem per Mobiltelefon zu steuern. Das visuelle Interfacing wird von einer leichtgewichtigen, durchsichtigen Display-Brille an den Performer übermittelt.
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